Google Chrome und die schizophrene Gesellschaft

06.09.2008 von André Bräkling
t3n Social News  

Eigentlich wollte ich es bei einem Artikel über Google Chrome belassen. Aber die Unmengen an Nachrichten und kontrovers geführten Diskussionen zu diesem Thema haben in mir das Bedürfnis geweckt, nochmals einige Zeilen zu schreiben. Konkret möchte ich dabei doch genauer auf den Datenschutz sowie auf die Veröffentlichung einer Beta eingehen.

Datenschutz und Google
Fakt ist, dass der Datenschutz heutzutage ein enorm wichtiges Thema ist – und sei es nur, damit der Normalbürger von unerwünschter Werbeflut verschont bleibt. Fakt ist aber auch, dass ein Dienstleister wie Google nunmal ohne das Sammeln von Daten nicht konkurrenzfähig sein kann. Immerhin besteht die Hauptdienstleistung nach wie vor aus Suchdiensten im Datendschungel Internet. Auch in der Werbebranche ist es notwendig möglichst hochwertigen Traffic zu erzeugen, was natürlich dadurch gelingt, dass man die gezeigte Werbung möglichst stark auf die Interessen des potentiellen Kunden zuschneidet.

Wichtig ist dabei aber der sensible und kompetente Umgang einzelner Bürger mit ihren persönlichen Daten. Denn Google sammelt die benötigten Daten nicht durch Einbrüche in unsere Wohnungen, sondern greift einfach auf das zurück, was unsereins veröffentlicht. So regt man sich nun in unserer Gesellschaft darüber auf, dass Google Daten sammelt, und geht anschließend bei verschiedenen Community-Portalen die letzten Partybilder veröffentlichen – natürlich im eigenen Profil mit Passbild, Gerburtsdatum, Hobbies, Lieblingsmusik, Freundesliste und so weiter. Auf mich wirkt das alles ein wenig schizophren. Irgendwie erinnert mich die Datenschutzdebatte an die Killerspieldiskussion. Statt nun in blindem Aktionismus neue Gesetze und Verbote zu erlassen sollte man lieber endlich anfangen die Menschen darüber zu informieren, wie sie in den weiten des Internets mit ihren Daten umgehen sollten.

Die gefährliche Betaversion
In die gleiche Kerbe schlägt ein anderes Problem: Nun wandert durch die Medien, dass das Bundesamt für Sicherheit vor Chrome warnt [Golem]. Hier geht es anscheinend eher sekundär darum, dass es Datenschutzprobleme gibt, sondern darum, dass Google eine unfertige Betaversion veröffentlicht hat. Diese weist natürlich einige Fehler auf, wodurch auch die ein oder andere Sicherheitslücke entsteht. Google wird nun vergeworfen, dass es mit seiner Marktmacht ein unfertiges Produkt veröffentlicht und somit unerfahrene Nutzer diesen Sicherheitsprobleme ausliefert. Irgendwie erinnert mich dies an das Sprichwort, welches besagt: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt’s an der Badehose.

Denn man sollte folgendes bedenken:

  • Ein erfahrener Nutzer sollte wissen, dass eine Betaversion Fehler enthalten kann, und dass er eine solche nicht für den Produktiveinsatz nutzen sollte.
  • Ein unerfahrener Nutzer sollte nicht alles was ihm angeboten wird auf seinen Rechner laden und benutzen (auch wenn es keine Betaversion ist), sondern sich zunächst einmal informieren. Hier liefert Google höchstpersönlich übrigens brauchbare Informationen, wenn man nach “Google Chrome” oder “Google Chrome Sicherheit” sucht.

Hinzu kommt, dass es doch die Medien selbst waren, die Google Chrome direkt zum Start eine solche Popularität sicherten. So widmet selbst die Tagesschau dem Konzern ein eigenes Dossier zum 10. Geburtstag.

Auch hier läßt sich wieder nur ein Fazit ziehen: Es wird endlich Zeit, dass man sich um eine entsprechende Ausbildung der Medienkompetenz der Gesellschaft kümmert. Nicht nur in Bezug auf den Umgang mit ihren Daten, auf die Verwendung der Wikipedia oder angeblich bösartige Spiele, sondern auch darüber, was man sich aus dem Internet herunterladen sollte und was eine Betaversion ist. Denn dann wäre so mancher Aufreger vermeitbar – und das ist gut für die Gesundheit!

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Kommentare & Trackbacks

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www.tutsi.de

Google Chrome unsicher: Bundesamt warnt vor Google Chrome!…

Google Chrome Warung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Das BSI hat jetzt öffentlich vor der Nutzung des neuen Google Browsers Crome gewarnt. Nach Einschätzung der Behörde ist gerade bei der täglichen Nutz…

Frogger [www]

Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Mir platzt im Moment der Kragen vor lauter Kritik an der Nutzerdatenverwendung und der Sicherheit von Google/Chrome.
Das Chrome Fehler hat (von mir aus auch Sicherheitslücken) ist zwar nicht toll, aber selbstverständlich. Es steht ja auch groß Beta drauf. Und wer die Nutzungsbestimmungen nicht liest, ist selber schuld. Da wird auch genau und einfach nachvollziehbar aufgelistet, was Google mit den Daten macht. Wenn man damit nicht einverstanden ist, soll man Chrome halt nicht nutzen. So einfach ist das.

Endlich mal ein Beitrag, der meine Meinung teilt. Danke.

Google Chrome im Test

[...] es bei datenwachschutz.de und it-intouch.de. Auch die Warnungen gegenüber Chrome bei tutsi.de und braekling.de sollte mab Beachtung schenken. Denn sogar die Tagesschau warnt vor Verwendung aus [...]

Wurm Germ An [www]

Hallo André
oder
Hallo Herr Bräkling,

Schizophrene Gesellschaft, kann da wirklich nur zustimmen.

Ist mein zweiter Artikel den ich auf dieser Seite gelesen habe, füge sie nun zu meinem Google Reader hinzu – sehr schöne Blogposts

Regards

André Bräkling [www]

Hallo,

wir können es gerne beim “Du” belassen… ist einfacher und im Web ja auch weitgehend gewohnter Umgangston :)

Freut mich, dass Dir meine Posts gefallen und wünsche viel Spaß mit dem Feed!

André


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