Wikipedia – Chance oder Gefahr?
von André BräklingDie so genannte freie Enzyklopädie Wikipedia erfreut sich in den letzten drei Jahren einer ständig wachsenden Beliebtheit im deutschsprachigen Raum (Quelle: Wikipedia Benutzerstatistik). Zum einen liefert sie einen riesigen Fundus an Informationen, zum anderen ist jeder dazu aufgerufen, diesen durch eigene Einträge zu erweitern. Außerdem sind alle Informationen „frei“, wodurch sie unter Angabe der Quelle beliebig verwendet werden dürfen.
Doch durch die enorme Zahl an Laien, die bei Wikipedia als Autoren tätig sind, und durch den riesigen Informationsdschungel lassen sich einige Probleme nicht vermeiden:
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Schreibt ein Autor einen Artikel zu einem Thema, in dem er nur mangelnde Kompetenz aufweisen kann, ist dadurch natürlich die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Artikel unvollständige oder gar fehlerhafte Informationen enthält.
Böswillige Attacken auf die Inhalte (bspw. gezielt eingestreute Fehler oder Einbindung illegaler Inhalte) lassen sich nur schwer aufdecken.
Marketingstrategen, Politiker und andere Personen, die aus beruflichen Gründen Wege suchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, haben das Projekt längst als Plattform entdeckt, Informationen gemäß ihrer Interessen zu manipulieren.
Natürlich sind die Nutzer und Macher der Wikipedia stets bemüht, solche Erscheinungen frühzeitig zu korrigieren, jedoch ist dies schon allein auf Grund der genannten Menge an Daten nur begrenzt möglich. Doch durch die nicht sicheren Informationen steht die Enzyklopädie als Quelle in der Kritik.
Beispielsweise kam es dazu, dass gleich mehrere Studenten der Geschichtsfakultät des Middlebury College (Vermont) in einer Prüfung eine fehlerhafte Wikipedia-Information verwendeten. Als Reaktion wurde von der Fakultät beschlossen, dass Studenten zukünftig nicht mehr aus der Wikipedia zitieren dürfen, womit diesen natürlich auch die Möglichkeit genommen wurde, die Quelle zukünftig für ihre Fehler verantwortlich zu machen. (Quelle: heise.de)
Ist die umfangreiche und erfolgreiche Informationssammlung damit nur als reine Freizeitbeschäftigung anzusehen – ohne einen Wert für ernsthafte Anwendungen?
Diese Frage lässt sich verneinen. Natürlich lassen sich die Artikel nicht als gesicherte Informationen und damit als zitierwürdig betrachten, jedoch bieten sie immerhin einen Einstieg in das gewünschte Thema. Viel wichtiger als die eigentlichen Artikel sind jedoch die angefügten Links und bibliografischen Hinweise, wodurch es ein leichtes ist, relevante (zitierfähige) Primärquellen zu entdecken, die Informationen aus der Wikipedia zu überprüfen und die Recherche zu vertiefen.
Mit Sorge ist jedoch zu betrachten, dass mittlerweile viele Stellen dennoch die Wikipedia als Zitatquelle verwenden, die auf gesicherte Informationen angewiesen sind. Zum Einen ist hier die Presse zu nennen (Quelle: Wikipedia: Artikel mit Wikipediazitaten), die damit nicht nur Gefahr läuft Fehlinformationen sondern auch manipulierte Informationen zu verbreiten, zum Anderen aber auch Gerichte (Quelle: Wikipedia: Wikipedia als Quelle für Gerichte), in denen die Verwenung von falschen Informationen zu gravierenden Fehlurteilen führen könnte.
Die Wikipedia, wie eigentlich das gesamte Internet, setzt einen großes Maß an Medienkompetenz vorraus, die somit in der heutigen Informationsgesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt. Es ist wichtiger denn je, Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch überprüfen und bewerten zu können.
Somit lässt sich abschließend festhalten, dass einzig und allein der Umgang – und demnach natürlich auch die Kompetenz im Umgang – mit der Wikipedia entscheident dafür ist, ob die aus ihr hervorgehende Informationsflut eine Chance oder doch eher eine Gefahr darstellt.
Link-Tipp: Grundbaukasten Medienkompetenz bei mekonet.de
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