Ist die Nennung von Quellen unprofessionell?
07.02.2009 von André BräklingSascha ist Blogger. Auf seinem Blog netbooknews.de schreibt er über Netbooks. Soweit nichts aufregendes, sofern man sich nicht wirklich für Netbooks interessiert. Aber er musste eine Erfahrung machen, die mich persönlich entsetzt.
Als Blogger ist es für ihn (wie auch wohl für die meisten anderen Blogger) durchaus normal, dass andere seinen Content weiterverbreiten. Jedoch erwartet er auch, was für die meisten von uns selbstverständich ist, dass diese Nutzung seines Contents zumindest mit einer Quellenangabe honoriert wird. Ebenso erzähle ich euch nichts neues, wenn ich anmerke, dass viele genau diesen Quellenverweis bei Verwendung des Contents gerne einfach weglassen. Soweit alles ganz normaler, wenn auch teilweise ärgerlicher, Bloggeralltag.
Nun ist Sascha aber die sprichwörtliche Hutschnur gerissen… und das in meinen Augen völlig zurecht. Tatsächlich gehörte er anscheinend zu denjenigen, die sich den Windmühlen stellen und versuchen die Herren Contentgrabber zumindest zu einem Quellenverweis zu bringen. In diesem Zusammenhang geriet er offensichtlich auch an die neue Redaktion des Basic Thinking Blogs, wenn auch augenscheinlich im Zusammenhang mit onlinekosten.de. Das hat ihn so geärgert, dass er dem Thema einen eigenen Blogbeitrag gewidmet hat, der letztlich sagen soll: “Mir reicht’s, nehmt einfach.” Stein des Anstoßes war die Mail des Onlinekosten-Redaktionsleiters Hayo Lücke, die auf eine sicherlich nicht nett formulierte Hinweismail Saschas (Thema: fehlende Quellenangabe) antwortet.
Sowohl die Ausgangsmail als auch die erschreckende Antwort könnt ihr bei Sascha nachlesen. Ich möchte hier nur zwei Zitate aus der Antwort anbringen:
Es freut mich, dass Sie uns darauf aufmerksam machen wollen, wie wir unsere Arbeit zu erledigen haben, ich kann Ihnen aber versichern, dass wir unser journalistisches Geschick durchaus einzusetzen wissen.
Eine (immerhin nach dem Dank für die Mail folgende) Einleitung, die sicherlich einen Ehrenplatz in der Kategorie “Externe Unternehmenskommunikation – So geht es nicht!” finden würde. Deutlich spannender ist aber dieser Ausschnitt:
Professionell arbeitende Webseiten müssen – im Übrigen anders als Blogs – nicht auf ihre Quellen verlinken. Dies _kann_ geschehen, ist aber kein journalistischer Grundsatz.
Erstmal recht gewagt, für jemanden, der nun auch bloggt. Aber das man als “professionell arbeitende Webseite” nicht auf Quellen verlinken muss/sollte ist auch ganz starker Tobak. Was ist denn mit den ganzen professionellen Webseiten von Printmedien, die sowohl online als auch in der Printausgabe mit Formulierungen wie “laut Polizeiangaben”, “nach der gestrigen Pressekonferenz” oder sogar einfach nur “(dpa)” arbeiten? Doch nicht so professionell, wie sie von sich selbst glauben? Oder einfach nur Luschen, die nett sein wollen, da diese Angaben ja nicht notwendig sind?
Natürlich mag es Quellen geben, die man nicht nennen kann/sollte/darf, z.B. weil man sonst einen Informanten gefährden würde. Aber die grundsätzliche Angabe von Quellen als nicht notwendig abzutun (“_kann_”) ist in meinen Augen wirklich ein richtig starkes Stück. Schon alleine, weil man doch dem Leser möglichst nachvollziehbare Informationen liefern möchte – oder liege ich da falsch?
In meinem Studium lerne ich u.a. auch, wie ich eben als Journalist arbeite. Immerhin nannte sich der Studiengang vor der Umbenennung in Technik-Kommunikation “Technische Redaktion”. Es widerspricht allem, was ich bisher gelernt habe, wenn jemand sagt, dass Quellen, die nicht aus genannten Gründen eine “Verschlusssache” darstellen, nicht zwingend zu nennen wären. Schön kann man das bei Hausarbeiten sehen, die ich abzugeben habe. Dazu muss ich jedesmal eine Erklärung unterschreiben, die folgendes enthält:
Hiermit erkläre ich, dass ich [...] keine anderen als die im Literaturverzeichnis angegebenen Quellen, Darstellungen und Hilfsmittel benutzt habe. Dies gilt in gleicher Weise für gedruckte Quellen wie für Quellen aus dem Internet. Ich habe alle Passagen und Sätze der Arbeit, die dem Wortlaut oder dem Sinne nach anderen Werken entnommen sind, in jedem einzelnen Fall unter genauer Angabe der Stelle ihrer Herkunft (Quelle, Seitenangabe bzw. entsprechende Spezifizierung) deutlich als Entlehnung gekennzeichnet.
Mir ist bekannt, [...] dass Verletzungen des Urheberrechts strafrechtlich verfolgt werden.
Somit sind wohl auch Wissenschaftler ganz klar von “professionellen Webseiten” zu unterscheiden. Traurige Welt… mehr kann ich dazu nicht sagen.
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