Geld verdienen mit Blogs
21.12.2009 von André BräklingSeit etwas mehr als einem Jahr habe ich nun ein Gewerbe angemeldet und versuche diese Seite ein wenig zu monetarisieren. Parallel habe ich das Schnäppchenblog LowBudgetGamer in’s Leben gerufen, das an sich schon darauf ausgerichtet ist Umsatz zu generieren. Eine der häufigsten Fragen zu diesen Projekten lautet schlicht und ergreifend “Lohnt sich das?” In diesem Beitrag möchte ich nicht nur diese Frage kurz beantworten, sondern auch auf meine ersten Erfahrungen nach einem Jahr werbefinanzierten Bloggings notieren.
Lohnt sich das?
Diese Frage muss ich aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Versteht man unter “lohnen”, dass ich gutes Geld mit meinen Projekten verdiene, dann muss ich zugeben, dass es sich nicht lohnt. Weder kann ich von den Einnahmen leben, noch würde ich sie als ein brauchbares Zusatzeinkommen bezeichnen. Aus einer anderen Sicht lohnt es sich aber sehr wohl: Mein Hobby finanziert sich quasi von selbst, Kosten für Domain und Server bekomme ich locker rein. Deswegen sollte die erste Grundregel lauten: Es muss Spaß machen, dann lohnt es sich auf jeden Fall… auch wenn die Kosten nicht ganz reinkommen sollten.
Ohne Basis keine Einkünfte
Wer auf der Suche nach dem Stein der Weisen ist, um seinen Blog endlich in Gold zu verwandeln, wird dies schon unzählige Male gehört haben. Aber so sehr es auch nerven mag… es ist nunmal die bittere Wahrheit. Ohne eine gewisse Besucherbasis lassen sich nur sehr geringe Einkünfte erzielen. Schauen wir uns dazu einfach mal die Einnahmen deutscher Blogs im November 2009 bei Selbständig im Netz an. Zum Abschluss des Artikels wird der eCPM der aufgeführten Blogs verglichen, d.h. wieviel die Blogs umgelegt auf jeweils 1000 Besucher generieren. Mit einer Ausnahme liegt der eCPM grundsätzlich unter 20€, was letztlich bedeutet, dass ein einzelner, echter Besucher (rein aus Monetarisierungs-Sicht) keine 2ct wert ist.
Woher soll die Basis kommen?
Zunächst müsst ihr natürlich ein Thema für euer Blog festlegen, zumindest wenn es jetzt erst losgehen soll. Ansonsten existiert das Thema ja schon. Es sollte auf jeden Fall Spaß machen, denn die ersten Monate und bei schleppendem Verlauf sogar Jahre muss die Motivation durch den Spaßfaktor kommen. Bevor sich die Kontoauszüge auf die Motivation auswirken, kann eine lange Zeit vergehen. Im Idealfall solltet ihr mit eurem Thema eine Nische besetzen, die zwar gefragt, aber kaum behandelt ist. Sollte dies nicht möglich sein, dann muss der Content besonders gut sein, um sich langfristig von den Mitbewerbern abzusetzen und Besucher zu binden. Hier kann man es also frei nach Matt Cutts halten: Wenn der Content gut ist, kommt der Rest von alleine. Um den Rest ein wenig zu beschleunigen, kann gutes Community-Building hilfreich sein.
Die Besucher sind da! Was nun?
Wenn die Besucher einmal da sind, dann entsteht dadurch natürlich nicht automatisch Umsatz. Wir müssen uns erst die Frage stellen, welche Zielgruppe wir vor uns haben, und anschließend passende Werbung auswählen. Ein Rezepte-Blog wird sicherlich wenig Umsatz mit Techie-Werbung erzielen, umgekehrt lassen sich in einem Tech-Blog wohl recht wenige Backformen verkaufen. Hier müssen wir uns also fragen: Welche Menschen interessieren sich für meine Themen? Was könnten diese Menschen brauchen, was würde ihre Aufmerksamkeit erregen? Erste Erkenntnisse liefert natürlich die Betrachtung des eigenen Themas, weiter kann man sich mal bei der Konkurrenz umschauen (Wofür wird dort geworben?) und natürlich kann man auch eine Umfrage im Blog starten, um der Zielgruppe ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Auch ganz hilfreich ist ein Blick auf die Suchanfragen, die zum Blog führen. Vielleicht gibt es einen Artikel, der recht häufig irrtümlich gefunden wird. Gibt es ein Partnerprogramm, das es ermöglicht diese Besucher direkt zum eigentlich Gesuchten weiterzuführen?
Der einfache Weg: Kontextabhängige Werbung
Kontextabhängig (context-sensitive) ist das Buzzword schlechthin zu diesem Thema. Die entsprechenden Werbenetzwerke und Partnerprogramme analysieren den Inhalt der Webseite, auf der sie eingebunden werden, und versuchen dann zum Beitrag passende Werbung zu liefern. Beispiele sind Contaxe und auch das Amazon-Partnerprogramm. Einen Schritt weiter geht Google Adsense indem es versucht, die Werbung auch auf die allgemeinen Interessen des Besuchers anzupassen. Solche Werbeformen sind sehr einfach implementiert und erzeugen meist auch recht hohe Klick- bzw. Umsatzraten. Aber nicht immer gelingt die Zuordnung wie gewünscht, so dass die Werbung nur entfernt zum Inhalt passt, oder dass einfach keine Werbung zu den Keywords vorhanden ist. Dann bekommt der Besucher plötzlich in einem Technik-Blog “Fett weg”-, “Dating”- oder ähnliche Anzeigen (wobei die Dating-Anzeigen tatsächlich recht gut laufen). Im schlimmsten Fall könnte sogar die Konkurrenz beworben werden, weshalb man ggf. Filter einsetzen muss.
Mehr Aufwand, mehr Erfolg: Werbung manuell einfügen
Auch manuell eingefügte Werbung soll natürlich möglichst gut zum Content passen. Dabei hat man jedoch die volle Kontrolle über die gezeigten Anzeigen, was die im vorherigen Absatz erläuterten Nachteile der automatisch generierten Werbeformen vermeidet. Hier muss man dann aber natürlich selbst nach den passenden Anzeigen suchen und auch ein gewisses Händchen dafür haben, was der Besucher denn haben will. Möglichkeiten gibt es hier genug: Unzählige Partnernetzwerke bieten eine umfangreiche Auswahl von Werbekunden und zugehörigen Werbemitteln. Sehr effektiv ist wirklich in den Context eingebundene Werbung, z.B. bei einer Buchbesprechung der passende Amazon-Link oder beim Test einer iPhone-App der vergütete Link direkt zu iTunes. Solche Werbung ist eine absolute Win-Win-Situation, da der Besucher einen echten Mehrwert erhält, und der Blogbetreiber kann daran auch noch ein wenig verdienen.
Selbstvermarktung – Die Königsdisziplin
Wenn das Blog gut läuft, dann kommt auch irgendwann Selbstvermarktung in Frage. So können wir unsere eigenen Preise festlegen, verlieren keine Einnahmeanteile an irgendwelche Netzwerke und sind dank vereinbarter Fest- oder zumindest Grundpreise auf der sicheren Seite. Da ich selber noch nicht so weit bin (und recht ungerne über etwas schreibe, wovon ich keine Ahnung habe), verweise ich nochmals zu Selbständig im Netz, wo ihr eine dreiteilige Serie Werbung im eigenen Blog verkaufen finden könnt. Nur ein Hinweis: Wenn euch Anfragen für Werbeschaltungen erreichen, solltet ihr euch die Anfrage zunächst in aller Ruhe ansehen, bevor euch die €- oder $-Zeichen im Auge die Sicht vernebeln. Mich erreichen z.B. gerne Anfragen irgendwelcher Casino-Seiten, die kein Impressum und ihre .de-Domain dann auch gerne auf “New York, Germany” o.ä. registriert haben. Finger weg von solchen Angeboten… wenn ihr Geld seht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sicher nicht gering, dass ihr dieses nachher für einen Anwalt aufbringen müsst.
Bezahlte Beiträge
Vergleichsweise schnelles Geld kann mit Diensten wie Trigami verdient werden. Meist erhaltet ihr ein pauschales Angebot für einen zu verfassenden Beitrag in eurem Blog. Aber auch hier solltet ihr nicht das Geld in den Vordergrund stellen, sondern zunächst gut überlegen, ob der jeweilige Beitrag Sinn macht. Um eure Besucher nicht abzuschrecken, solltet ihr nur Angebote annehmen, die inhaltlich auch irgendwie zu eurem Blog passen. Ich selbst nehme daran teil, lehne aber z.B. grundsätzlich Anfragen zur Veröffentlichung vorgegebener Werbetexte ab. Wenn ich schon einen solchen Beitrag schreibe, dann will ich auch meine Meinung schreiben können… gerne auch positiv, wenn mich der zu beschreibende Inhalt überzeugt hat.
Textlinks
Mit einfachen Textlinks kann auch schnell Geld verdient werden, selbst wenn die Besucherzahlen nicht wirklich nennenswert sind. Aber auch hier verbirgt sich ein Haken: In solchen Fällen soll der Link dem Werbenden zu besseren Suchmaschinenplatzierungen verhelfen. Von Google & Co. werden solche Aktionen natürlich nicht gerne gesehen, da sie das eigentlich auf Qualität ausgerichtete Ranking durcheinanderwerfen. Überlegt also gut, ob ihr das Risiko eingehen möchtet, eure Reputation bei Google für ein paar Euros auf’s Spiel zu setzen. Bei entsprechenden Besucherzahlen solltet ihr auch Textlinks mit dem nofollow-Attribut verkaufen können, was dieses Problem löst und euch trotzdem Einnahmen beschert.
Zusammenfassung
Hier möchte ich nochmal die Kernaussagen der vorherigen Überlegungen und Erfahrungen zusammenfassen:
- Es sollte Spaß machen, so dass die Einnahmen nicht an erster Stelle stehen. Denn nur so könnt ihr langfristig durchhalten und dann auch irgendwann zum Erfolg kommen.
- Versucht durch die Werbung auf eurer Seite einen Mehrwert zu bilden, den die Besucher gerne annehmen und vielleicht auch suchen. Einfach Banner einzufügen hilft in Zeiten von “Werbeblindheit” und “Werbeblockern” nicht viel.
- Sucht den richtigen Mittelweg. Zuviel Werbung vergrault die Besucher und kann auch der Ladezeit eurer Seite schaden. Nehmt nicht jedes Angebot an, nur weil ihr den schnellen Euro erwartet. Überlegt stattdessen immer, ob die Werbung seriös ist und in euren Themenkomplex passt.
Buchtipp
Natürlich halte ich mich auch an meine eigenen Empfehlungen
Ein wirklich gelungenes Buch zum Thema “Geldverdienen im Web 2.0″ hat Valdimir Simovic geschrieben: Geld 2.0 – Geldverdienen im Web 2.0 [bei Amazon]. Eine Rezension, die ich zu diesem Buch geschrieben habe, gibt es bei SEO.de.
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