Gedanken über nofollow

11.02.2010 von André Bräkling
t3n Social News  

DokumentennetzEine Besonderheit des Hypertext-basierten Internets liegt darin begründet, dass es die Möglichkeit bietet, einzelne Dokumente innerhalb einer Webseite und auch zwischen mehreren Webseiten zu verknüpfen. So kann sich jeder Nutzer selbst seinen Weg durch eine Vielzahl von Informationen bahnen. Aber auch Suchmaschinen nutzen die Links für ihre Zwecke, denn sie erlauben eine automatische Erforschung des Webs zwecks Indexerstellung. Dummerweise ist es aber nicht einfach damit getan, alle gefundenen Dokumente zu speichern und nach Begriffen durchsuchen zu können. Stattdessen müssen Algorithmen gefunden werden, die dem Suchenden nicht beliebige Seiten mit den Suchbegriffen liefert, sondern möglichst relevante Seiten. Dabei soll auch nofollow helfen – ein in meinen Augen überbewertetes Attribut, was ich in diesem Beitrag erläutern möchte.

Eine einfache Rechnung

Der erste Parameter, der einem beim Nachdenken über einen solchen Algorithmus einfällt, sind natürlich Links und ggf. auch die Texte dieser Links. Eine einfache Rechnung: Je häufiger eine Seite verlinkt wird, desto interessanter scheint sie zu sein. Sollte sie zusätzlich nicht nur den Suchbegriff enthalten, sondern auch mit diesem Suchbegriff verlinkt werden (bzw. zumindest von einer Seite, die in einem Kontext mit dem Suchbegriff steht), dann ist sie offenbar auch relevant.

Der berühmte Haken

Natürlich haben Webseitenbetreiber den Parameter “Links” schnell erkannt und versuchen ihn seitdem für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Möglichkeiten dazu gibt es viele, z.B. durch entsprechende Links in Foren und Blogs, Ankauf von Links mit bestimmten Stichworten und natürlich auch ein einfacher Linktausch. Aus Sicht der Suchmaschinen natürlich eine bedauerliche Entwicklung, da sich die Relevanzkriterien damit recht leicht beeinflussen lassen.

Also mussten Lösungen her. Insbesondere wurden viele weitere Parameter aufgestellt, um eine Webseite auch weitgehend unabhängig von den Links einzustufen. Gerade in Bezug auf Google wird darüber heftigst philosophiert, wie z.B. diese Liste der 200 Parameter des Google-Algorithmus zeigt. Aber ganz ohne Links geht es nicht, denn dafür ist dieser Faktor offenbar einfach viel zu wichtig. So wurde die Idee der nofollow-Kennzeichnung geboren.

Knebel für Weblinks

Letzten Endes ist ein mit

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gekennzeichneter Link weiterhin ein normaler Weblink, dem Besucher und Suchmaschinen folgen können. Jedoch wird er von Suchmaschinen, die

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berücksichtigen, nicht mehr im Sinne einer Linkempfehlung interpretiert, d.h. er wird nicht mehr als Zeichen für die Popularität der verlinkten Seite gewertet. Es ist sozusagen ein “stiller Link”, voll funktionsfähig aber gegenüber Suchmaschinen geknebelt. Damit sollen gekaufte oder getauschte Links markiert werden, um sie von echten Empfehlungen im eigentlichen Content zu unterscheiden.

Eigentlich ist es eine Anmaßung der Suchmaschinenbetreiber ein solches Konstrukt vorzuschreiben. Wieso soll sich das Web an die Suchmaschinen anpassen? Sollte das nicht eher umgekehrt sein? Linktausch und -kauf gab es auch schon zuvor, nur eben mit dem vordergründigen Ziel darüber Besucher zu erhalten, statt das Ranking aufzuwerten. Wieso sollte also jemand, der im üblichen Rahmen Werbung verkauft oder Links tauscht, seine Webseite anpassen, damit die Algorithmen schwarze Schafe, die solche Aktionen gezielt und übertrieben zur Manipulation der Suchergebnisse verwenden, erkennen können? Nun, diese Fragen wären überflüssig, wenn niemand

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verwenden würde.

Das Märchen vom Spam

Also musste eine gute Geschichte her, damit die Seitenbetreiber

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verwenden und man so die “Guten” von den “Bösen” unterscheiden kann. Hier hat sich der Web-Aufreger Nr. 1 angeboten: Spam. Wer

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geschickt einsetzt, könne auf einen Spam-Rückgang hoffen. Also wurden Forenbeiträge, Blogkommentare und auch große Linkportale direkt mit der neuen Kennzeichnung ausgerüstet. Dumm nur, dass es für einen Spambot weniger Aufwand bedeutet, 100 geknebelte Links zu setzen, statt zuvor die 100 Seiten auf die Verwendung des

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-Attributs zu überprüfen. Hier kommt es einfach auf die Quantität und nicht auf die Qualität an. Außerdem könnten ja trotzdem Besucher über diese Links kommen. Einzig bei großen Linkportalen oder Seiten wie Wikipedia könnte

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dahingehend Sinn machen, dass es sich für manuelle Spammer nicht mehr lohnt, unrelevante Links irgendwo in den tiefen des Portals zu verstecken.

Damit war auch der erste Schritt gemacht, anschließend haben viele von selbst in vorauseilendem Gehorsam alle weiteren Links außerhalb des Contents mit

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versehen.

Die nofollow-Hysterie

Einfache Webseitenbetreiber sind so in das Sperrfeuer zwischen Suchmaschinen und sogenannten Black Hat SEOs geraten.

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hat dabei nur eines geschafft: Viele Links aus Werbung und Linktausch müssen jetzt nicht mehr berücksichtigt werden und der Versuch möglichst relevante Links ausfindig zu machen fällt immerhin etwas leichter. Übrig blieb aber eine förmliche Hysterie: Viele Webseitenbetreiber, die sich um das Ranking ihrer Seiten sorgen, setzen das

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-Attribut nahezu panisch ein und verkünden überall die Lehre, dass das Nicht-Kennzeichnen “unnatürlicher” Links zum Absturz der eigenen Seiten in den Rankings führt. Dies ist ein klassischer Fall von “über das Ziel hinausgeschossen”, was aber die Suchmaschinenbetreiber recht wenig stören dürfte. Hier meine Gründe:

  • Keine ernstzunehmende Suchmaschine wird ihre Rankings alleine nach
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    ausrichten. Vielmehr werden sicherlich unzählige weitere Faktoren eine Rolle spielen, um die Natürlichkeit von Links zu ermitteln.

  • Zusätzlich wird kaum der “kleine Webmaster” im Fadenkreuz der “Ermittler” stehen. Viel zu groß wäre das Risiko, dem Suchenden wirklich relevante Ergebnisse aufgrund eines verkauften oder getauschten Links auf dieser Seite vorzuenthalten. Spannender ist hier derjenige, der versucht sich durch unnatürliche Links einen Vorteil zu verschaffen.

Von natürlichen und unnatürlichen Links

Ein natürlicher StartDie ersten, natürlichen LinksDer verdiente Lohn

Was verstehen wir unter einem natürlichen Linkaufbau? Im Normalfall wird eine Webseite, sobald sie das Licht des Webs entdeckt, ein paar ausgehende Links, aber noch keine eingehenden vorweisen können. Mit der Zeit gesellen sich dann auch erste eingehende Links hinzu, weil die Seite z.B. in Verzeichnissen erfasst wurde, oder weil interessierte Entdecker (oder einfach nur Freunde und Bekannte des Betreibers) den neuen Stern am Webhimmel referenzieren. Ist die Seite gelungen, wird sie nach und nach immer stärker verlinkt und im Idealfall folgt irgendwann der Lohn der Mühe: Die Seite wird von der Community akzeptiert und auch entsprechend mit vielen Links gewürdigt. Alles ein ganz normaler Prozess.

Unnatürlicher StartEin unnatürlicher Start sieht hingegen so aus, dass die Seite unheimlich schnell eine Vielzahl Verlinkungen erhält. Dies kann viele Gründe haben: Startet die Seite z.B. mit einem entsprechenden Medienrummel, dann ist eine schnelle Popularität kaum zu vermeiden. Ärgerlich ist jedoch aus Suchmaschinensicht (und auch aus Sicht eines Suchenden), wenn diese Seite sich ihre Popularität erkauft hat. Deren Betreiber wird ganz bewusst auf

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verzichtet haben.

Aufgabe der Suchmaschinen muss es also sein diejenigen Seiten abzuwerten, die mit dubiosen Mitteln arbeiten… und

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hilft hier augenscheinlich nicht.

Die Irrelevanz des Verlinkenden

Es geht also darum Webseiten mit unnatürlicher Linkstruktur nicht überzubewerten. Nach dem Prinzip “mitgefangen, mitgehangen” mag es in dem Zusammenhang auch sinnvoll erscheinen, die verlinkenden Webseiten abzustrafen. Jedoch sprechen drei Gründe dagegen, wieso das vermutlich nicht das Mittel der ersten Wahl ist:

  • Schon zu Beginn habe ich erwähnt, dass eine Webseite, nur weil sie einen verkauften Link enthält, nicht zwingend thematisch irrelevant sein muss. Wieso sollte eine Suchmaschine also dem Suchenden eine relevante, gute Webseite vorenthalten? Dadurch würde man vielleicht die Seite für das Verkaufen von Links abstrafen, aber man würde auch der Qualität der eigenen Ergebnisse schaden. Immerhin will der Suchende Finden und nicht unter einem Konflikt leiden, der ihm weitgehend egal ist.
  • Es ist zudem recht willkürlich eine Seite für einen
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    -Link abzustrafen, nur weil die Zielseite Links einkauft. Kann es nicht sein, dass ein Webseitenbetreiber eine linkkaufende Seite tatsächlich empfehlen will? Muss man vor dem Setzen eines Links wirklich recherchieren, ob man sich damit gegebenfalls selbst ein Ei legt? Das kann und wird auch mit Sicherheit nicht der Sinn der ganzen Sache sein.

  • Suchmaschinen arbeiten heutzutage sehr intelligent. Gefundene Seiten werden nicht einfach ausgelesen und in eine Datenbank gepackt, sondern auch analysiert. Es sollte recht gut gelingen, z.B. Kommentarbereiche, Sidebars, Navigationsleisten etc. vom eigentlichen Content zu trennen. Natürlich geht das nicht zu 100% und ist auch von der Qualität der HTML-Struktur abhängig, aber die Suchergebnisse zeigen eigentlich, dass es offenbar recht gut funktioniert. Daher kann man davon ausgehen, dass Suchmaschinen sehr gut zwischen Links im Content (Textabsatz) und Anzeigen oder Blogrolls etc. (Linklisten in der Sidebar) unterscheiden können. Ganz ohne
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    .

Also ein Freifahrtschein?

Nein, denn es gibt natürlich aus Ausnahmen. Wird eine Seite mit gekauften Links zugepflastert oder werden nahezu beliebig Links innerhalb des Contents verkauft bzw. getauscht (Keywordlinks), dann kann eine Abstufung durchaus Sinn machen. Wer es übertreibt, dem kann man durchaus eine gewollte Beeinflussung der Suchergebnisse anlasten, und der mindert zudem die Qualität für seine Besucher massiv. Und wieso sollte eine reine Werbeseite mit zweifelhafter Qualität für den Besucher gut bewertet werden?

Also gilt es natürlich immer, einen Blick auf die Angemessenheit der getauschten oder verkauften Links zu wahren. Wenn schon nicht den Suchmaschinen, dann zumindest den eigenen Besuchern zuliebe.

Ist nofollow damit unnütz?

Auch hier muss ich “nein” sagen. Es gibt durchaus sinnvolle Einsatzgebiete für das

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-Attribut. Damit meine ich aber nicht obige Seiten, die es übertreiben – denn dann würde deren Keyword-bezogener Verkauf ja unsinnig werden. Wer es drauf anlegen möchte, der muss natürlich damit leben. Spontan fallen mir aber zwei Szenarien ein, die ein

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durchaus rechtfertigen:

  • Weiter oben habe ich schon erwähnt, dass größere Portale durchaus ein Problem mit “manuellen Spammern” haben könnten. Solche Spammer versuchen ihren Linkmüll in möglichst unbeobachteten Ecken abzuladen und so ihre Keywordlinks zu erhalten. Um die Qualität des eigenen Portals zu wahren und dem Verdacht zu entgehen, dass man es selbst übertreiben würde, sollte man dieses manuelle Spamming natürlich unterbinden.
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    kann da sehr hilfreich sein.

  • Für ein anderes Einsatzgebiet muss man die Seite des Tisches wechseln. Während der normale Webmaster eher weniger zu befürchten hat, kann ein unnatürlicher Linkaufbau für einen Werbetreibenden zu einem enormen Rückschlag durch Abstrafung führen. Möchte man also eine Werbekampagne starten, um darüber Besucher zu generieren, dann empfiehlt sich der Einsatz von
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    . Besucher können die Seite erreichen und Suchmaschinen finden sie so auch, aber der Vorwurf unnatürlichen Linkaufbaus wäre nicht haltbar.

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ist damit für mich also ein brauchbares Feature um ungerechtfertigten Abstrafungen vorzubeugen, aber kein Gesetz, das bei Nichteinhaltung durch empfindliche Ranking-Strafen geahndet wird.

Die Gedanken sind frei…

Wie auch alle anderen, die über die internen Prozesse von Suchmaschinen philosophieren, habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Alles, was ich oben geschrieben habe, ist aus meinen Erfahrungen und dem Versuch, diese logisch weiterzudenken, entstanden. Wer eine andere Sicht der Dinge, Ergänzungen oder Korrekturen anbringen möchte, darf dies natürlich gerne in den Kommentaren (oder per Trackback vom eigenen Blog, wenn wir schon bei Linkaufbau sind) tun. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Grundsätzlich vertrete ich jedenfalls die Meinung, die auch Matt Cutts immer bewirbt: Achtet auf euren Content, dann kommt der Rest (fast) von alleine. Nur gegen die Qualitätsrichtlinien der Suchmaschinen solltet ihr natürlich nicht verstoßen ;)

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Kommentare & Trackbacks

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Fabian [www]

Ser schöner Bericht zu einem nicht ganz unkomplexen Thema.


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