111 Tage “neues” Basic Thinking – Betreiber ziehen Bilanz
06.05.2009 von André BräklingSoso, 111 Tage ist es nun her, dass BasicThinking aufgekauft wurde. Die neuen Betreiber ziehen Bilanz und können aus ihrer Sicht erfreuliches zeigen: eine Besuchersteigerung von rund 10% spricht eindeutig für ihre bisherige Arbeit und zeigt auch klar, dass ein solches Blog nicht zwingend an den Betreiber gebunden ist, sofern es anständig weitergeführt wird. Neben dieser statistischen Bilanz der Betreiber, die natürlich im Blog veröffentlicht wurde, möchte ich nun meine persönliche inhaltliche Bilanz ziehen.
Zunächst macht sich ein veränderter Stil ganz klar bemerkbar. Roberts Art “frei nach Schnauze” zu schreiben wurde vom Schreibstil erfahrener Redakteure abgelöst. Dennoch kann man nicht wirklich von rein redaktionellen Artikeln sprechen, weil man den Versuch der Kombination aus “Journalismus” und “Blogging”, der ja häufig als nicht vollziehbar gilt (zumindest aus Journalistensicht), ganz gut bemerkt. Leider habe ich aber auch den Eindruck, dass die Kommentare eher stiefmütterlich behandelt werden, aus Diskussionen klinkt man sich häufig aus. So geht dann irgendwie auch ein wenig die persönliche Note verloren, die man sich bei Robert nicht wegdenken konnte. In meinen Augen ein wenig bedauerlich, aber in der momentanen “Redaktionsform”, die letztlich ja auch nur ein “Nebenprodukt” der Betreiber darstellt, wohl nicht ganz vermeidbar. Dadurch ist das Blog für mich selbst nun nicht mehr ein täglicher Anlaufpunkt, sondern eher eines von vielen in meinem Feedreader. Aber Geschmäcker sind ja glücklicherweise verschieden, wie oben genannte Statistik auch zeigt.
Eines stößt mir aber sauer auf: Bei einigen Beiträgen habe ich das Gefühl, dass die Artikel möglichst reißerisch werden sollen – wodurch ich im Hinterkopf nicht selten eine Assoziation mit einer Zeitung habe, die gerne auf recht große Buchstaben zurückgreift. Zwei Beispiele:
1. Im kürzlich erschienen Artikel über den RC von Windows 7 wird gar nicht erläutert, wozu ein solcher RC dient und an wen er sich wendet. Stattdessen macht man sich in spöttischer Form über die von Microsoft angegebenen Hinweise her und zitiert dabei sogar sinnverfremdent unvollständig.
2. Als die Junge Union NRW forderte, man solle Gewaltvideos aus YouTube und Co. verbannen, war dies beispielsweise auf Handyaufnahmen von echten Schlägereien bezogen. Mit dem Schraubstock wird dann im BT-Artikel u.a. über abschließend gestellte Fragen versucht, diese Forderung in einen Kontext mit Internetsperren (direkt) und Killerspielverboten (indirekt) zu bringen. Für den Leser entsteht letztlich der Eindruck, es sollen vornehmlich Videos gesperrt werden, die “Jugendliche zur Gewalt anregen”, und nicht, wie es eigentlich gedacht war, in denen z.B. echte Gewalttaten von Jugendbanden gezeigt werden und mit denen sich Jugendbanden gegenseitig herausfordern und selbst bestätigen. Es scheint als solle diese Grenze im Artikel bewusst verwischt werden.
Hier hoffe ich, dass die Redaktion hinter BTB bald auf solche Sensationshascherei verzichtet und sich mehr auf die seriös aufgearbeiteten Tech-News stützt. Es würde der Gesamtqualität des Angebots sicher sehr gut tun und Raum für eine persönliche Meinung zum Thema kann man sich ja z.B. zum Ende des Beitrags immer noch lassen. Viele gute Artikel zeigen, dass die Autoren genau das können und somit nicht auf selbstproduzierte Skandale zurückgreifen müssten.
Abgesehen von dieser abschließenden Kritik möchte ich das “neue” Basic Thinking Blog jedem empfehlen, der regelmäßig aktuelle und interessante aber teils auch witzige und skurrile Artikel zum weitgefassten Themenkomplex “Tech-News” lesen möchte.
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