WoW – Eine Gelddruckmaschine?
16.09.2008 von André BräklingLaut Golem.da hat Blizzard seit Veröffentlichung des berühmten Online-Rollenspiels (2004) 200 Millionen US$ in das Spiel investiert. Dieser Betrag soll alle laufenden Kosten, also z.B. Server und Support, enthalten, jedoch nicht die Entwicklungskosten. Ich habe mir mal die Mühe gemacht ein wenig mit den Zahlen weiterzurechnen.
Betrachten wir zunächst nochmals die Kosten (in Millionen US$):
200 Betriebskosten (Quelle: Golem.de)
50 Entwicklungskosten (Quelle: Spiegel Online)
Nun schauen wir uns die Umsätze an (in Millionen Euro):
814 Umsatz 2007 (Quelle: Golem.de)
192 Umsatz 1. Quartal 2008 (Quelle: Golem.de)
Mich wundert ein wenig, dass diese Zahlen in Euro angegeben werden, da der Artikel in US$ beginnt. Natürlich habe ich kurz umgerechnet (folgende Angaben also in Millionen US$):
1151 Umsatz 2007
271 Umsatz 1. Quartal 2008
Wenn man diese Zahlen vergleicht, erscheint der Unterschied gigantisch. Doch bei folgenden Zahlen von Golem.de sollte jeder stutzig werden – es handelt sich um die operativen Gewinne (von mir jetzt direkt in Millionen US$ umgerechnet):
461 Operativer Gewinn 2007
140 Operativer Gewinn 1. Quartal 2008
Denken wir weiter nach:
Umsatz – Gewinn = 821 [Millionen US$]
Oben stehen 250 Millionen US$ Ausgaben, hier finden wir 821 Millionen US$. Man muss nicht lange nachdenken, um festzustellen, dass der Redakteur von Golem.de an dieser Stelle Äpfel und Birnen nebeneinander aufführt. Jedoch (schlauerweise) ohne einen direkten Zusammenhang herzustellen.
Denn: Blizzard hat nicht nur WoW im Aufgebot. Hier finden sich auch die Starcraft- und Warcraft-Serie sowie natürlich Diablo. Dies sind zwar auf den ersten Blick ältere Titel, wenn man sich aber alleine die ungebrochene Euphorie um Starcraft in Südkorea ansieht, wird schnell klar, dass auch diese Spiele noch Umsätze generieren. Des Weiteren werden auch Lizenzen vergeben (Spielfiguren, Bücher, etc.), die sicherlich nicht wenige US$ in Blizzards Kassen spülen. Auf der Ausgabenseite finden sich die Neuentwicklungen von Diablo 3 und Starcraft 2, die beide sicherlich auch einige Millionen US$ fressen. Mit Werbung und Blizzards hauseigener Messe fange ich jetzt gar nicht an.
Immerhin findet sich doch noch eine interessante Zahl im Artikel: 10,9 Millionen zahlende Kunden soll Word of Warcraft derzeit zählen. Nun bin ich auch einmal ungenau – ich nehme die niedrigsten Monatsgebühren in Europa (10,99€/Monat bei 6 Monaten Abo), frage nicht ob zu den 10,9 Millionen Kunden auch Testaccounts zählen und verrechne alles. Damit komme ich auf 169 Mio. US$ im Monat. Setze ich voraus, dass die Zahlen durch das bevorstehende Addon nicht seit dem ersten Quartal 2008 explodiert sind, muss ich feststellen: Entweder sind die Transaktionskosten enorm hoch oder auch diese Herangehensweise führt nicht zum Ziel. Oder werden Werbekosten vorher verrechnet?
Ich bin überzeugt davon, dass WoW ein lukratives Geschäft ist. Aber diese Zahlen sind alle nur Schall und Rauch. Bewerten kann man sie nur mit dem notwendigen Insiderwissen über alle Zahlen des Unternehmens. Aber eine schöne Überschrift geben sie ja immerhin her.
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