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Herzlich willkommen!

André BräklingDies ist mein Blog, auf dem ich unter anderem über Usability, Development, Webdesign und Kommunikation schreibe.
Zur Zeit steuere ich auf das Ende meines Studiums im Studiengang Technik-Kommunikation an der RWTH Aachen zu und arbeite nebenher als Webentwickler.

Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre!

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… und wie man es besser machen könnte!02

Schiller, Wilhelm und Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe in Jena, um 1797

Hinweis: Dieser Artikel ist der zweite Teil zu “Warum die Piratenpartei nicht wählbar ist…”.

Es geht gar nicht darum, einer neuen Partei ihr Existenzrecht abzusprechen. Gerade die Themen der Piraten sind hochaktuell und sollten nicht vernachlässigt werden. Dennoch tragen sie das Kreuz eines unvollständigen Parteiprogramms. Nun wurde in den Kommentaren zum letzten Artikel darauf hingewiesen, dass sie ja glaubwürdiger seien, gerade weil sie nicht zu allem eine Meinung haben. Aber hat nicht eigentlich jeder zu irgendeinem Thema eine Meinung? Es ist doch eher die Bestätigung, dass ich mich auf eine unbekannte Meinung des potentiellen Piraten-Abgeordneten verlassen muss. Seid ihr wirklich sicher, dass die Piraten-Wähler in Schweden die grüne Fraktion im Europaparlament stärken wollten? Für einige sicher ein netter Nebeneffekt, für einige andere mit Blick auf die Pirateninteressen vernachlässigbar… aber garantiert auch für einige etwas, was sie nicht bezwecken wollten.

Wenn ich mit meiner Vermutung recht habe, dass der Beitritt von Lars Christian Engström zur grünen Fraktion im EP nicht allen seiner Wähler zusagt, dann bestätigt dies mich in meiner Überzeugung, dass die Interessen der Piraten keine Interessen einer politischen Strömung, sondern allgemeine Interessen sind. Sprich: Unabhängig vom Parteibuch sollten die Themen der Piraten wichtig sein und sachlich diskutiert werden. Gestützt wird dies dadurch, dass z.B. das “Netzsperren-Gesetz” auch innerhalb der Regierungsparteien nicht unumstritten ist, obwohl die Abstimmung anderes vermuten lässt.

Brauchen wir jetzt also “Neue Grüne” mit Netzthemen? Brauchen wir eine neue Partei, die sich zu Wirtschaftskrise, Afghanistan und vielen weiteren politischen Themen nicht sinnvoll positioniert? Nein. “Pirat” ist keine neue politische Richtung, “Pirat” ist eine verparteilichte Sicht auf Interessen einer modernen Informationsgesellschaft. Demnach braucht Deutschland keine Piratenpartei, sondern die Parteien in Deutschland brauchen Piraten in ihren Reihen. Wir brauchen keine in einer Partei gebündelte Medienkompetenz, wir brauchen gebündelte Medienkompetenz in unseren Parteien.

Denn die Kompetenz ist das Stichwort. Unserer Regierungskoalition wird nun Zensur vorgeworfen, aber dabei haben die Abgeordneten nach bestem Gewissen entschieden. Klar, es ist einfach, Hohn und Spott über den “Gegner” rieseln zu lassen. Aber mal ehrlich: Wenn man jemanden sagt “Sperrt ihr Kinderpornographie, dann ist das Zensur”, ohne das die Argumente ausführlich dargelegt werden, würde so mancher betroffen reagieren. Oder würdet ihr denjenigen für “ganz klar” halten, der euch sagt “Es ist Zensur, wenn die Videothek in der Musterstraße wegen Verkauf von Kinderpornographie geschlossen wird”? Nun sagt ihr, dass es ja was ganz anderes sei, aber genau das kann nicht jeder wissen. Die Abgeordneten, die für dieses Gesetz gestimmt haben, haben sicherlich nicht gedacht “Ich hab keine Ahnung, einfach mal dafür.” oder “Jawoll, endlich Zensur!” sondern eben einfach innerhalb ihrer Medienkompetenz vermeintlich richtig entschieden.

Genau hier wird die Sache spannend. Ich behaupte, dass die Freibeuter einen größeren, zukunftsweisenden Beitrag leisten könnten, wenn sie nicht als Partei, sondern als Interessengemeinschaft auftreten würden. Daraus würden sich u.a. folgende Aufgaben ableiten:

Erstens: Man organisiert Vorträge zu den Kernthemen, die jetzt im Parteiprogramm stehen. Hauptzielgruppe sollten dabei die Parteien selbst sein, z.B. Vorträge zum Thema Netzsperren und den daraus resultierenden Problemen mit den entsprechenden Zahlen.
Besonderer Vorteil: Die Piraten als IG sind keine Partei, also können z.B. Mitglieder von CDU und SPD, ohne ihre generellen politischen Werte aufzugeben, auch Piraten sein und die Argumente in der eigenen Partei anbringen. Neben Rednern könnten die Piraten dazu auch Material für eigene Vorträge stellen. Geht nicht? Dann habt ihr es nicht versucht! Ich gehe davon aus, in den nächsten Monaten selbst ein paar Vorträge und sogar eine Podiumsdiskussion zu Netzsperren mit einem Parteifreund (er pro, ich contra) führen zu können. Das parteiinterne Interesse ist tatsächlich vorhanden, ich informiere gerne, wenn es soweit ist.

Zweitens: Man hält öffentliche Vorträge zu den Kernthemen. Ein Beispiel wären Vortragsreihen für Eltern, die eine “Hilfe zur Selbsthilfe” in Puncto Killerspielen liefern. Sprich: Den Eltern Mittel an die Hand geben, die Geschehnisse im Kinderzimmer zu beurteilen, statt auf eine auch Erwachsene einschränkende, noch weitergehende Regulierung durch Vater Staat zu hoffen. (Klar geht das wie folgendes auch als Partei, aber ich möchte ja nur die Aufgabengebiete einer solchen IG skizzieren.)

Drittens: Man arbeitet thematisch passende Publikationen, wie Bücher oder Essays, aus und kann so vielleicht auch in der politischen Wissenschaft Fuß fassen.

Viertens: Durch 1.-3. kann man zu einer Institution im Bereich Medienkompetenz und einzelne Mitglieder in entsprechende Gremien und Ausschüsse berufen werden.

Die Piratenpartei kann mehr bewegen, wenn sie nicht als eigene politische Strömung auftritt (denn davon ist sie weit entfernt), sondern ihren thematisch festgelegten Beitrag zur politischen Bildung beiträgt. Mal spekuliert: Sollten die Freibeuter in den nächsten 10 Jahren Parlamentssitze kassieren, so helfen diese ihnen nichts, wenn die “alten” Parteien in ihrer Medienkompetenz nachgezogen haben und entsprechende Themen in einem politischen Gesamtkonzept anbieten können. Genau dann könnten die Piraten, die dann in anderen politischen Themengebieten so machen Wähler enttäuscht haben, mit einem Lied “Wer hat uns verraten? Das waren die Piraten!” untergehen. Und zeigt jetzt nicht wieder auf die Grünen… ich persönlich kann mit einer grünen Internetpartei nichts anfangen. Da hoffe ich lieber auf eine Weiterentwicklung innerhalb der Union… und diese hat längst begonnen, auch wenn so ein Tanker seine Zeit für einen Richtungswechsel benötigt. Falls euch die Union nicht zusagt, bleiben dann immer noch die SPD (ebenfalls mit Kursänderungswünschen aus dem Maschinenraum), die FDP und die Grünen.

Mein Aufruf an die Piraten: Nutzt eure jetzige Präsenz und Attraktivität, um eine langfristige Institution im “Neue Medien”-Sektor zu werden!

Hinweis: Die Kopfgrafik zeigt einen Auszug aus einem Bild, das Schiller, Alexander von Humboldt, Johann Wolfgang von Goethe und insbesondere den Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt (2. v.l.) in Jena (~1797) zeigt. Es gilt als gemeinfrei und wurde in der Wikipedia gefunden. Das vollständige Bild und alle zugehörigen Hinweise finden sich hier.

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