Kommunen gegen Google Street View
28.09.2008 von André BräklingLaut heise.de möchten u.a. die Gemeinde Molfsee bei Kiel und die Hansestadt Lübeck Google die Anfertigung von Aufnahmen für den umstrittenen Dienst Street View untersagen. Grundlage dafür soll laut dem Artikel die Straßenverkehrsordnung sein: Es sei eine Sondernutzungserlaubnis für kommerzielle Aufnahmen notwendig.
In den Vereinigten Staaten ist Street View bereits seit einiger Zeit verfügbar, in Europa machte die Route der vergangenen Tour de France den Anfang. Mittlerweile sind die Kamerafahrzeuge von Google auch in deutschen Städten unterwegs. Dabei werden 360°-Aufnahmen der Straßen gemacht, die dann mittels Google Maps angesehen werden können. Jede Ansicht läßt sich frei drehen, etwas zoomen (3 Stufen) und auch zur Navigation benutzen, d.h. man kann sich durch Anklicken von Pfeilen zu den eingeblendeten Straßenverläufen frei bewegen.
Natürlich sorgt der Dienst auch für Aufruhr bei den Datenschützern, nicht nur in Deutschland. So wäre es denkbar, dass Personen in unpassenden Situationen fotografiert und veröffentlicht werden, bspw. beim Sonnenbaden, beim Verlassen eines Striplokals oder ähnliches. Ich habe mich einmal durch New York geklickt und die Feststellung gemacht, dass ich weder Gesichter noch Nummernschilder erkennen konnte. Da viele dieser Details stark verwaschen waren vermute ich hier eine gezielte Verfremdung, wie Google sie auch verspricht (z.B. hier erwähnt). Wichtig ist, dass Google sich hier seiner Verantwortung bewusst ist, also dass die Algorithmen (ich glaube kaum, dass da jemand von Hand retouchiert) gut funktionieren und das Material vor der Veröffentlichung entsprechend überprüft wird. Außerdem sollte das nicht-verfremdete Rohmaterial gelöscht werden… dazu konnte ich aber keine Informationen finden, weshalb ich davon ausgehe, dass diese Bilder gespeichert bleiben.
Für weniger relevant halte ich den Vorwurf der Datenschützer, dass beispielsweise Banken das Material aus Street View nutzen könnten, um die Kreditwürdigkeit einer Person anhand der Wohngegend oder der Hausfassade zu beurteilen. Wenn Banken so vorgehen, so bin ich mir sehr sicher, dass bereits entsprechende Datenbanken über Wohngegenden geführt werden. Mal davon abgesehen könnte jederzeit ein Bankmitarbeiter zur entsprechenden Adresse fahren… dies wäre zwar umständlicher als eine Nutzung von Street View, aber es ist nunmal so, dass solche Informationen durch “einfaches hinfahren” bereits jetzt frei verfügbar sind. Außerdem wäre so eine persönliche “Ortbegehung” definitiv aktueller, da die Street View Bilder wohl recht selten aktualisiert werden.
Jedoch sollte Google zukünftig auch Pannen wie diese vermeiden: Anscheinend wurden Aufnahmen von Privatwegen angefertigt zu denen Google keine Zutrittserlaubnis hatte. Dies wolle Google zwar vermeiden, könnte es aber nicht immer. Solche Meldungen untergraben die Glaubwürdigkeit von Google in Sachen Datenschutz & Street View natürlich enorm.
Wozu der Dienst nützlich sein soll? Ich orientiere mich bei Routenplanungen, die ich mangels Navi vor Fahrtantritt erledige, in fremden Städten nicht nur an Straßennamen oder Kilometerangaben, sondern auch an gut sichtbaren Punkten. Beispielsweise lasse ich mir Tankstellen, Autohäuser, Hotels u.ä. anzeigen, um meine Route dann in der Form “Nach der XYZ-Tankstelle rechts abbiegen” zu beschreiben. Es wäre einfach super, wenn ich mir die entsprechenden Straßenecken nun auch vorher anschauen könnte. Außerdem macht es auch viel Spaß einfach mal “virtuell” durch New York zu laufen.
Ich bin mal gespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt, und wie Google im weiteren Verlauf mit der Datenschutzfrage umgeht. Wer sich immer noch nichts unter Street View vorstellen kann, findet im folgenden Video (via YouTube) eine Erklärung am Beispiel der Tour de France:
PS: Anlässlich Googles 10. Jahrestag trägt das Street View-Männchen, das die derzeitge Position des Betrachters bei Google Maps anzeigt, ein albernes putziges Partyoutfit bestehend aus Luftballons und einem Partyhut.
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