Ein paar Fragen an die Demonstranten
12.10.2008 von André BräklingAm 11. Oktober ab 14 Uhr gab es in Berlin eine Demonstration unter dem seltsamen Namen “Freiheit statt Angst”. Hintergrund war die “ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat”. So weit, so gut – der Datenschutz ist ein wichtiges und dadurch auch sehr sensibles Thema. Immerhin können heutzutage Informationen schnell und einfach erfasst, aber auch weitervermittelt und verwendet werden.
Laut Golem.de nahmen Zehntausende an der Veranstaltung teil. Hier stellt sich mir (bei aller Bedeutung des Themas) die Frage, wie viele der Demonstranten sich ernsthaft mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Bei Vorratsdatenspeicherung.de heißt es: “Egal, was wir tun, mit wem wir sprechen oder telefonieren, wohin wir uns bewegen oder fahren, mit wem wir befreundet sind, wofür wir uns interessieren, in welchen Gruppen wir engagiert sind – der “große Bruder” Staat und die “kleinen Brüder und Schwestern” aus der Wirtschaft wissen es immer genauer.” – doch sind es im Falle der Wirtschaft nicht die Bürger höchstpersönlich, die eben solche Daten freiwillig übermitteln? Dadurch ergeben sich für mich folgende Fragen, die ich einfach mal an die Demonstranten und deren Unterstützer richten möchte. Über ernsthafte Antworten in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen, denn vielleicht habe ich ja auch nur einen falschen Eindruck gewonnen.
- Wieviele von euch sind bei Social Networks, also sozialen Netzen, wie StudiVZ, Facebook, WKW usw., angemeldet?
- Wieviele von euch haben dort im Vorfeld Werbung für die Aktion gemacht? (Gruppen, Gästebucheinträge, etc.)
- Wieviele von euch haben dort im Nachhinein über die Demonstration berichtet, Fotos veröffentlicht, und ähnliches?
- Wer von euch hat sich schon einmal mit der Thematik beschäftigt, dass die geplante staatliche Kontrolle im Verhältnis zum Daten-Exhibitionismus in solchen Netzen derzeit harmlos ist? Sprich: Was trifft die unschuldige Privatperson härter – gespeicherte Verbindungsdaten auf staatlichen Servern oder private Partyfotos und peinliche Gruppen in teilweise schlecht gesicherten Netzwerken?
Nichts gegen die Sorge um den Datenschutz der Bürger (insbesondere, wenn mit den Daten unsachgemäß umgegangen wird), aber diese Demonstration und alles drumherum wirkt für mich wie simpler Populismus. Einfach gemeinsam dagegen – und anschließend der Weltöffentlichkeit im Internet davon erzählen… natürlich inklusive der letzten Partyfotos mit Totalabsturz. Übrigens ohne Gesetze für Staat und Wirtschaft (= mögliche Arbeitgeber) einsehbar. Was meint ihr?
Nachtrag: Umstritten ist auch die Teilnehmerzahl. Während die Pressesprecher der Polizei von rund 15000 Demonstranten sprechen, nannten die Veranstalter zwischenzeitlich sogar 100000 Teilnehmer. Bei Netzpolitik.org werden 50000 Teilnehmer als realistisch angesehen. Meist wird nur (wie z.B. beim oben genanntem Golem.de-Bericht) von “Zehntausenden” gesprochen. Damit kann man ja dann nicht falsch liegen…
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