Verfügung gegen Wikimedia Deutschland trägt seltsame Früchte

16.11.2008 von André Bräkling
t3n Social News  

Henning (Hasenfarm) hat mich per E-Mail darauf aufmerksam gemacht, dass jemand – als Reaktion auf die einstweilige Verfügung gegen Wikimedia Deutschland – eine provokante Webseite gegen den Linken-Politiker Heilmann (MdB) gestartet hat, die zunächst auch den Eindruck erweckt, es handele sich um dessen eigene Webseite. Immerhin unterscheidet sich die Fake-Domain von Heilmanns wirklicher Domain nur durch einen fehlenden Bindestrich. Hennings Frage nach meiner Meinung beantworte ich natürlich gerne.

Zunächst eines vorweg: Die Informationen, die in der Wikipedia über Lutz Heilmann veröffentlicht und damit Kern des Problems sind, kann ich nicht bewerten, da ich ihn nicht kenne und somit auch keine Aussagen über seine Vergangenheit, den Status seiner Immunität oder irgendwelche SMS treffen kann (Details bei heise.de). Jedoch Frage ich mich ernsthaft, was er mit seiner einstweiligen Verfügung erreichen will – immerhin trifft es nun Wikimedia Deutschland, wodurch lediglich die Weiterleitung von wikipedia.de auf de.wikipedia.org verhindert werden soll (oder kann). Die eigentlichen strittigen Informationen sind nach wie vor (wie auch alle anderen Wikipedia-Artikel) erreichbar und haben heute sicherlich eine enorm hohe Aufmerksamkeit erhalten. Ob Lutz Heilmann einfach nicht besser wusste was er tut, ob er sich vielleicht auch nur dachte “every motion is promotion”, oder ob etwas ganz anderes dahintersteckt – keine Ahnung. Jedoch glaube ich nicht, dass er der Gewinner der Geschichte sein wird.

Eines kann ich aber ganz genau sagen: Die Aktion mit der eingangs genannten Webseite ist einfach nur dämlich. Was soll damit bezweckt werden?

  • Die Seite wird sicherlich nichts am “status quo” ändern, geschweige denn Wikimedia Deutschland helfen.
  • Weiter ist die Seite für diejenigen, die Projekten wie der Wikipedia, Foren oder anderen Seiten mit User-Generated-Content eine gewisse Rechtssicherheit bescheren sollen, garantiert keine Hilfe. Ganz im Gegenteil: Sie demonstriert sehr schön, wie sich das Internet als Medium missbrauchen lässt.
  • Die Seite entfernt das Thema von einer sachlichen Ebene. Hier wird der Mensch Lutz Heilmann angegriffen, nicht sein Vorgehen.

Übrigens hat der Urheber dieser Fakeseite (wie viele andere, die in die Diskussion eingestiegen sind) leider nicht verstanden, dass nicht die Wikipedia, sondern lediglich eine Weiterleitung abgeschaltet wurde – das ist ein bedeuntender Unterschied.

Während ich die Vorgehensweise gegen Wikimedia Deutschland weder gut, noch nachvollziehbar finde, muss ich ganz ehrlich sagen: Wenn gegen den Webmaster der Fakeseite vorgegangen wird, muss dieser nicht mit meinem Mitleid rechnen.

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Kommentare & Trackbacks

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Farlion [www]

Dem Ersteller der Fakeseite drohen 3 Monate bis 5 Jahre Haft, wenn Heilmann Strafanzeige stellt und ein etwas härterer Richter die Sache verhandelt.

Personen des politischen Lebens genießen nämlich, auch wenn mich das manchmal selbst etwas ärgert, einen besonderen Schutz.

Siehe http://dejure.org/gesetze/StGB/188.html
§ 188
Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens

André Bräkling [www]

Das macht die Sache für den Scherzkeks natürlich noch heftiger. Wenn man bedenkt, dass Heilmann Jurist ist, könnte das eine richtige Lektion in Sachen “sachlicher Umgang” geben.

Princo [www]

Die Aktion von Henning ist ja wohl mehr als durchschaubar.
Wenn Dummheit wehtun würde, dann wäre der Kerl doch nur noch am Schreien.

André Bräkling [www]

Hm, sorry, ich durchschaue es nicht… Würde mich freuen, wenn du mir das erklären könntest ;-)

Princo [www]

Du hast Mail.

André Bräkling [www]

Dito :)


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