Der Break-Even-Point des Bloggings – Community statt SEO
von André BräklingHeute möchte ich mich einmal mit der Frage befassen, was der Break-Even-Point eines Blogs sein kann. Jedoch weniger im wirtschaftlichen Sinne, sondern in der Frage wann man die erste große Hürde genommen hat, sprich: Wann hat sich ein Blog etabliert und wie kann man dies erreichen?
Zur wirtschaftlichen Seite: Nur wenige Blogs sind in einer Position, dass sie wirklich Geld abwerfen. Bis dahin ist es ein sehr langer Weg (sofern das Blog nicht an eine besondere Idee gebunden ist), so dass man beim hier diskutierten Break-Even-Point kaum von Wirtschaftlichkeit sprechen kann. An meinem Beispiel bedeutet dies, dass Braekling.de in diesem Monat erstmals überhaupt kostendeckend sein wird könnte.
Die erste Frage ist natürlich: Wozu bloggt man? Geht man davon aus, dass das Blog nicht dazu gedacht ist, einfach nur ein suchmaschinenoptimierter Goldesel Schuttabladeplatz zu werden, ist sicherlich zunächst wichtig, dass man sich mit Dingen auseinandersetzt, die einen selbst interessieren, d.h.: Man bloggt aus Freude am Schreiben (über die gewählten Themen). Nun würde es zur Befriedigung des eigenen Informationsdurstes reichen, selbst nur zu lesen. Schreibt man jedoch, so steckt dahinter auch der Wunsch von irgendwem gelesen zu werden.
Hier findet sich in meinen Augen der wirkliche Knackpunkt: Lange Zeit schreibt man und muss feststellen, dass die Beiträge gar nicht bis kaum zur Kenntnis genommen werden. Da liegt auch sicherlich der Grund darin, dass viele Blogs nach kurzer Zeit Karteileichen des Internets werden. Also würde ich diesen Break-Even-Point genau auf den Zeipunkt legen, an dem man als Blogger feststellt:
Es wird gelesen und interessiert die Menschen. Ich habe Stammleser!
In Zahlen hängt der Zeitpunkt natürlich von der Erwatungshaltung des Bloggers selbst ab – während sich der eine über 100 Besucher/Tag und 10 Feedreader freut, möchte der nächste zumindest 1000 Besucher/Tag und 100 Feedreader zählen, bevor er zufrieden ist. Um nicht an der eigenen Erwartungshaltung zu verzweifeln, sollte man sich selbst immer neue Etappenziele setzen, die unter dem persönlichen Break-Even-Point angesiedelt sind.
Damit wäre die Frage nach dem “Wann” geklärt, aber die Frage nach dem “Wie” ist noch offen. Mittlerweile habe ich meinen eigenen “Break-Even” hinter mir… d.h. ich habe eine Stammleserschaft, erhalte immer wieder Kommentare und Trackbacks, sehe stetig steigende Feedstatistiken etc. Natürlich möchte ich noch weiter, aber die kleine “Anfangshürde” ist überwunden: Ich schreibe nicht mehr nur für mich, sondern für ein kleines Publikum. (Danke an euch!)
Nun möchte ich mein “Wie” der Reihe nach erläutern – inkl. den Rückschlägen.
Mal etwas ‘rumbloggen
Es fing mit ein paar wenigen Beiträgen an, insbesondere ein Tutorial hier und ein Tutorial da, gelegentlich eine Hausarbeit. Beachtet wurde das Blog kaum, gelegentlich kam mal ein Besucher über Google. Einzige Höhepunkte: Zwei meiner Hausarbeiten (Chatsprache, GSM/GPRS/UMTS) fanden Beachtung (also Verlinkung) in der Wikipedia. Streng genommen habe ich die Blogsoftware auch nur verwendet, um keine eigene Lösung zu schreiben. WordPress als CMS – mehr nicht.
Trackbacks um jeden Preis
Im September wollte ich es wissen: Mal sehen, ob ich Braekling.de als Blog etablieren kann. Die Taktik war schnell überlegt: Ich schreibe nicht mehr, was mir gerade in den Sinn kommt – ich suche interessante Dinge auf Seiten mit Trackback-Funktion. Sprich: Einen Beitrag liefern und einen Trackback setzen.
Meine Hauptquelle war Golem.de – und siehe da: Es kamen Besucher. Doch schnell stellte sich die Ernüchterung ein, denn die meisten kamen nur einmal kurz vorbei. Ein Lichtblick war ein Artikel über WoW, denn dort habe ich zwar die Golem-Meldung als Basis genommen, aber die Thematik selbst analysiert. Mein erster Beitrag, der auch außerhalb von Braekling.de wirklich Beachtung fand (die beiden Wikipedia-Links ausgenommen).
Der nächste Höhepunkt war mein Artikel über Swype. Hier konnte ich über einen Trackback Robert Basic auf meinen Artikel aufmerksam machen, der meine Ergänzung in Form eines Videos in einen eigenen Beitrag übernahm und mich entsprechend verlinkte. So konnte ich meinen ersten Besucherrekord aufstellen… aber auch hier wieder ohne einen längeren Effekt zu bemerken.
Toplisten
Also ging es an die Toplisten, die ich aber nur kurz abfertigen möchte: Der Effekt tendiert gegen Null (weshalb ich demnächst rechts unter Networking auch aussortieren werde).
Google
Einige Artikel haben bereits im Vorfeld ein paar gute Platzierungen bei Google gefunden, jedoch kann man dabei nicht von großen Besucherströmen reden. Mit meinem Artikel zum OpenOffice-Upgrade unter Ubuntu habe ich dann aber in ein Wespennest gestochen. Bis heute halten die Zugriffe über Google an, in den ersten Tagen brachen die Besucherzahlen all’ meine Rekorde. Aber hier ergibt sich wieder das gleiche Bild: Vom eigentlichen Beitrag abgesehen erhielt ich kaum Kommentare, wenige Besucher kamen wieder oder haben sich weiter umgesehen, die Zahl der Feedabonnenten stieg nur leicht und stagnierte wieder.
Der Durchbruch
Alle bisherigen Methoden (inbesondere das Setzen vieler Trackbacks und die Optimierung auf Google) haben zwar zu Besuchern geführt, aber brachten mich kaum weiter in die Richtung des Break-Even-Points. Die wirkliche Lösung war aber doch einfach und hätte mir schon beim “Trackback-Wechselspiel” mit Robert zu Swype auffallen können.
Die Blogospäre ist eine riesige, dezentrale Community. Unabhängig von dieser hat man kaum eine Chance zu einer wirklichen Leserschaft zu kommen, da die meisten Leser (wie z.B. beim Golem-Trackback oder via Google) nur aus einem gezielten Grund vorbeischauen und danach wieder verschwinden. Über die Vernetzung in der Blogosphäre hat man jedoch die Chance in einen Dialog zu kommen und sich so mit anderen Interessierten auszutauschen. Ina hat das bei den Blogpatenschaften sehr schön beschrieben. Insbesondere mein Kirche und OpenSource-Artikel in Kombination mit Twitter brachte viele neue Kontakte, Anregungen, Kommentare usw.
Wo ist der Unterschied zu den Trackbacks, die ich zu Beginn erwähnte? Ganz einfach – es geht nicht mehr um Backlinks, sondern es geht um den Dialog. Die Zielgruppe sind nur im entfernteren Sinne Menschen, die mal eben reinschauen, sondern Menschen, die ein Interesse am gegenseitigen Austausch haben. Das Verlinken, die Besucher, die Feedleser kommen dann ganz von alleine. Plötzlich ist man selbst durch das eigene Blog Teil innerhalb einiger “Blasen” der Gesamtcommunity (also “Subcommunities der Blogosphäre”). Vor allem: Es fängt an Spaß zu machen, denn man führt nicht mehr einen ständigen Monolog.
Fazit
Wer mit dem Bloggen beginnt oder gerade erst angefangen hat, sollte sich nicht auf klassische Besuchergenerierungsmethoden stützen, sondern gezielt den Interessenaustausch suchen. Alles weitere kommt von alleine (natürlich auch in Abhängigkeit von der Qualität der eigenen Beiträge), aber vor allem beginnt die Sache so sehr schnell Spaß zu machen. Ich wünsche viel Erfolg!
Nachtrag:
Über die Blogpatenschaften biete ich es an, als Gastblogger einen Beitrag auf Braekling.de zu veröffentlichen. Dadurch können (Noch-)Nicht-Blogger es einfach mal “ausprobieren”. Zudem können Neu-Blogger natürlich auch gerne den Beitrag nutzen, um in dessen Rahmen auf ihr eigenes Blog aufmerksam zu machen. Thematisch sollte es natürlich passen, ganz besonders würde ich mich über Beiträge zum Thema “Medienkompetenz” freuen.
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