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Herzlich willkommen!

André BräklingDies ist mein Blog, auf dem ich unter anderem über Usability, Development, Webdesign und Kommunikation schreibe.
Zur Zeit steuere ich auf das Ende meines Studiums im Studiengang Technik-Kommunikation an der RWTH Aachen zu und arbeite nebenher als Webentwickler.

Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre!

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Ist Google wirklich böse?04

Das Datenwachschutz Blog hat einen Artikel veröffentlicht, in dem es sich mit den Daten befasst, die Google sammelt bzw. von einzelnen Nutzern bekommt. Soweit ist das okay, jedoch reiht sich dieser Artikel in eine Serie von “Google ist böse”-Artikeln ein, die schon seit einiger Zeit das Web beherrschen. Gerade dieser Artikel war es, der bei mir das Fass zum Überlaufen brachte. Einleitend möchte ich aber ein paar Worte über das zitierte Blog verlieren.

Zum zitierten Blog: Der Artikel ist eingerahmt von zwei Google-Anzeigenblöcken. Rechts findet sich direkt unter dem Feedburner-Button eine ICQ-Statusanzeige und ein weiterer Google-Anzeigenblock. Immerhin findet man auf der Seite auch ein Initiative gegen unnötiges s(sic!)peichern von Nutzerinformationen-Gütesiegel. Kein Wunder, man muss ja selbst nichts speichern, wenn man Google Analytics benutzt. Dennoch Glückwunsch dazu! Doch nun zum Thema selbst:

Als Hauptproblem sehe ich, dass Google in jüngerer Zeit als das Böse überhaupt in Datenschutzfragen hingestellt wird. Die Ursache ist klar: Google ist ein reines Informationsunternehmen – Information ist Googles Geschäft und trifft damit den wunden Punkt in der hitzig geführten Datenschutzdebatte. Eine Debatte, die ich als sehr sinnvoll erachte, die aber häufig zu emotional geführt wird und somit oft auch wirkliche Argumente vermissen lässt. Bestes Beispiel ist der von mir eingangs genannte Artikel.

Ich möchte mich zunächst einfach an der Liste der Google-Dienste “entlanghangeln”, die in diesem Beitrag aufgeführt und mit teils recht populistischen Phrasen abgefertigt werden. Anschließend gehe ich auf die im Rahmen des Artikels genannte Kritik ein (“wieviele persönliche Daten anfallen und einem einzigen Anbieter zur Verfügung gestellt werden”) und möchte nachher einen abschließenden Appell an alle Blogs richten, die sich hauptsächlich dem Datenschutz verschrieben haben.

Adwords, Sie kennen deinen Marketing Plan und deine Suchwörter.

Kein Wunder, denn ich beauftrage Google bei Nutzung dieses Dienstes meinen Plan umzusetzen. Eine Angabe der Art “machen Sie mal, aber ich sage Ihnen nicht, wie ich es Wünsche” kann nicht zum Erfolg führen. Es liegt in der Natur eines Marketingdienstes, dass ich diesen mit einer Aufgabe betreue.

Adsense, Sie wissen welche Seiten du bewirbst und wieviel du ausgezahlt bekommst + Kontodaten.

Auch hier liegt das “Problem” in der Natur der Sache: Niemand wird Werbung schalten, wenn er nicht gesagt bekommt, wo seine Werbung eingeblendet wird. Außerdem ist es nunmal so, dass jemand die Werbung gegen Bares bucht und der Dienst, der die Vermittlung zum Partner herstellt, dann die entsprechende Ausschüttung vornimmt. Sonst bräuchte man diesen Dienst nicht.
Das Google schließlich meine Kontodaten zur Auszahlung erhält (geht übrigens alternativ auch per Scheck… da kann ich dann die Adresse angeben, die eh in meinem Impressum öffentlich ist), scheint logisch. Übrigens: Was soll Google auch mit meinen Kontodaten anstellen? Auf meinen Namen einkaufen? Bei Lastschriften auf mein Konto habe ich immer noch das letzte Wort.

Alerts, Sie wissen welche Topics wichtig sind für Dich.

Auch hier stellt sich die Frage: Wie soll der Dienst möglich sein, ohne dass man die entsprechenden Interessen angibt? Alternativ empfiehlt sich die Nutzung einer eigenen Software, die man passend trainiert. Bekommt nur nicht jeder unbedingt so hin.

Analytics, Sie wissen welche Seiten und welche Besucher du woher hast und erkennen die Trends dazu.

Jeder andere Counterdienst muss diese Daten auch sammeln, um sie mir entsprechend zu servieren. Der Vorteil liegt z.B. in der Kombination mit meinen Marketing-Bemühungen. Selbst kann man sowas kaum verwirklichen.

Blogger, Sie wissen über was Du schreibst. Jedes Wort, jede Phrase und kennen jeden ein- und ausgehenden Link.

Wenn ich ein Blog betreibe, kann jeder jedes Wort, jede Phrase und jeden Link einsehen. Wenn die Information nicht für die Öffentlichkeit ist, blogge ich sie nicht. Auch ohne Nutzung von Blogger kann jeder Bot (auch “Nicht-Google-Bots”) diese Daten problemlos sammeln. Zudem kann jede Person sie persönlich einsehen und sammeln.

Kalender, Sie wissen welche Termine du hattest und welche Du noch haben wirst.

Ich nutze den Kalender für meine Vorlesungen, meine Arbeitszeiten, die Alemannia-Spiele und Termine meiner Verbindung. Alles Daten, die allgemein bekannt sind oder sein dürfen – und bei denen es praktisch ist, wenn ich sie jederzeit und überall einsehen kann. Private Termine stelle ich nicht ins Internet. Ganz einfach.

Catalog search/Product Search, Sie wissen wonach Du suchst und was Du eventuell kaufen möchtest.

Jeder vergleichbare Dienst verfügt über ähnliche Daten. Außerdem weiß Amazon deutlich mehr über mein Kaufverhalten als Google… teilweise ist das fast erschreckend.

Checkout, Sie kennen Deine kompletten persönlichen Daten wie Name, Adresse, Telefon, Kreditkartennummer.

Auch hier liegt es in der Natur des Dienstes. Oder kommen Paypal, Firstgate und Co. ohne diese Daten aus?

Chrome, Sie wissen alle Seiten die Du besuchst, wenn Sie es bis jetzt noch nicht wußten.

Mittlerweile hat man mehr Einstellungsmöglichkeiten bei diesen Dingen. Nicht zuletzt ist Chrome auch noch eine Beta, also nicht zwingend für den Produktiveinsatz geeignet. Übrigens: Man sendet grundsätzlich die besuchten Seiten durch das Internet. Fragt mal euren Admin in der Firma, was da so alles über die Server läuft.

Desktop, Sie wissen was Du auf deinem PC hast.

Full ACK. Desktop Search wird es auf meinem Rechner nie geben. Meine persönlichen Dateien kann ich auch ohne Google durchsuchen.

Text und Tabellen, Sie wissen welche Dokumente du schreibst oder gerade mit anderen zusammen bearbeitest.

Auf der Arbeit würde ich es nicht nutzen, auch nicht für private Dokumente. Korrekt. Aber ein tolles Tool, um Formulare zu basteln oder gefundene Dokumente und Zitate bequem und überall zu sichern.

Earth, Sie wissen welche Orte auf der Welt, Du dir genauer ansiehst.

So manches Reisebüro kann sogar sagen, wo ich schon WAR. Was ist so schlimm daran, sich einen Ort anzusehen? Mich würde es schockieren, wenn Google mir meine täglichen Bewegungen aufzeigt. Das Google davon erfährt, wenn ich via Google einen Ort ansehe, ist für mich keine besondere Erkenntnis.

FeedBurner, Sie wissen alles über Deine Feedleser und deine Artikel.

Meine Artikel sind (wie schon gesagt) eh öffentlich einsehbar. Über die Feedleser müssen die Daten erhoben werden, um mir eine entsprechende Statistik zu liefern. So eine Statistik ist bei Feeds sehr schwer zu führen, was man auch an den Schwankungen bei Feedburner sieht. Ich bin froh, diese Daten zu haben.

Gmail, Sie wissen alles über Deine Mails.

Jup. E-Mails wandern im Klartext durch das WWW, teilweise einmal rund um die Welt (quasi als Postkarte). Außerdem sind die Dinger nunmal bei jedem Mailanbieter gespeichert. Da hilft wohl nur der eigene Mailserver (den ich übrigens für privates und geschäftliches auch nutze, Gmail dient bei mir nur zur Kommunikation mit Google).

Bilder suche, Sie wissen was für Bilder Du dir ansiehst und worauf Du stehst.

Ja, immerhin suche ich die Bilder via Abfrage bei Google. Ich kann auch woanders nach dem Begriff suchen (der auch gespeichert wird) in der Hoffnung, die gewünschten Bilder zu finden. Außerdem ist die Bildersuche wohl nicht der geeignete Ort, um Bilder der Kategorie “worauf Du stehst” zu finden. Mal davon abgesehen: Mal auf einer Pornoseite gewesen? Gegen die dortige Cookiemenge ist Google harmlos.

Local search, Sie wissen wo Du bist und wonach Du suchst.

Schwer umzusetzen, wenn sie weder wüssten, wo ich bin, noch wonach ich suche.

Toolbar, Sie wissen jede Webseite, die Du dir ansiehst.

Das ist der Sinn von Toolbars. Deswegen habe ich übrigens keine.

Finance, Sie wissen was Du hast und welchen Trends Du Folgst.
Groups, Sie wissen Deine Vorlieben und Deine Beteiligungen an Gruppen.
Reader, Sie wissen welche Blogs Du liest und was Dich interessiert.
Talk, Sie wissen wer Deine Freunde sind.
YouTube, Sie wissen welche Videos Du hochgeladen hast, welche Du kommentierst hast, welche Art von Videos Du dir gerne ansiehst und welches Deine Vorlieben sind.
Suche, Sie wissen jeden Suchbegriff den Du jemals eingegeben hast.
Translate, Sie wissen welche Übersetzungen Du benötigst.
Maps, Sie wissen wo Du wohnst, welche Routen Du planst und welche Orte Du genauer betrachtet hast.

Wie jeder andere, vergleichbare Dienst der Kategorie auch. Zu Talk: Mal die ICQ Nutzungsbedingungen gelesen? Bei den Sorgen müsste eigentlich jeder Jabber nutzen. Aber da finde ich kaum jemanden…

Nun die Kernfrage, die sicher bei so einigen Lesern im Laufe meines Textes hochgekommen ist: Ja, aber müssen diese vielen Einzeldaten bei einem einzigen Anbieter hinterlegt sein?

Meine Antwort: Wenn Google in einen Datenschutzskandal verwickelt wird, ist dies für Google ein echtes Problem. Das Unternehmen lebt von Information, sprich: Wenn das Vertrauen in Google verloren geht, also die Nutzer nicht mehr freiwillig ihre Daten hinterlassen, kann Google sein Konzept (kontextbezogene Werbung) nicht mehr verfolgen. Also wäre es für Google der absolute GAU, würde ein solches Problem auftreten. Alternativ könnte ich meine Daten x Einzelanbietern anvertrauen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit weitaus höher, dass einzelne dieser Anbieter dann doch das schnelle Geld durch Verkaufen der Informationen wittern, wodurch mir ein Schaden entstehen könnte. Selbst wenn Google doch diesen GAU einkalkulieren sollte, so kann ich trotzdem ruhig schlafen – denn ich habe nur die Daten preisgegeben, die ich preiszugeben bereit bin.

Nun zu meinem Appell an die “Datenschutzblogs” da draußen: Statt Google als das Böse zu definieren… versucht es doch mal mit Aufklärung der Nutzer. Du kannst Heroin nicht bekämpfen, indem du es “böse” nennst… du musst an die Wurzeln. Konkret könnte das so aussehen (nur ein paar Beispiele):

  • Google hat bisher niemanden eine Pistole an den Kopf gehalten und gesagt: “Gib deine Daten raus!” Die Nutzer machen das freiwillig. Sensibilisiert die Nutzer dafür, welche Daten ins Netz gehören und welche nicht. Macht ihnen klar: Das Internet ist kein passives Konsumieren (wie z.B. Fernsehen), sondern aktives Konsumieren, d.h. selbst wenn ich nicht veröffentliche sende ich dennoch Daten. Erklärt den Leuten, dass der Schein der Anonymität im heimischen Arbeitszimmer täuscht. (Stichwort Medienkompetenz!)
  • Erklärt den Nutzern, was Cookies sind, wie man sie nutzt und abschaltet, wie man sie bewertet.
  • Zeigt den Leuten, wie GnuPG funktioniert, denn dann ist die Wahl des Mailanbieters egal – die E-Mails sind keine Postkarten mehr. Würde mich freuen, wenn ich das auch mal nutzen könnte.
  • Macht die Menschen darauf aufmerksam, dass die Nutzung ungepatchter Systeme das größte Problem sein kann… Was nützt alle Vorsicht, wenn theoretisch jeder auf meinen PC zugreifen kann?

Und so weiter. DAS könnte etwas nützen… nicht dieses “Google ist böse, Microsoft sowieso und die Regierung will den Kontrollstaat”-Gesülze. Alle Nutzer haben es selbst in der Hand, also erklärt ihnen nicht, welche Dienste sie im nachhinein betrügen, sondern wie sie sich im Vorfeld vor sowas schützen können.

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