W&W der Geschichte #2: Datenschutz und neue Medien

05.01.2009 von André Bräkling

Im ersten Teil dieser Serie habe ich davon berichtet, wie Apple, ein Unternehmen das heutzutage oft Schlagzeilen aufgrund einer rigiden Geschäftspolitik schreibt, ursprünglich als der große Befereier aus der Einheits-IBM-Welt aufgetreten ist. Diesmal möchte ich eher darauf zu sprechen kommen, wie sich gewisse Dinge im Laufe der Zeit wiederholen können. Ein schönes Beispiel ist die weiterhin erbittert geführte Diskussion um den Datenschutz und die Frage, wie weit dieser im Sinne der Sicherheit gelockert werden kann bzw. muss.

Eine Vorratsdatenspeicherung soll Nutzerspuren im Internet zurückverfolgbar machen, ein Bundestrojaner soll das Zeitalter der digitalen Hausdurchsuchung einleiten – dies sind nur zwei Beispiele, wie der Staat im Nachhinein versucht, dem neuen Medium “Internet” Herr zu werden. Dummerweise ist man an dieser Stelle viel zu spät gekommen, denn hätte es diese Kontrollinstanzen bereits zur Einführung des Internets (bzw. seiner Vorläufer) gegeben, wäre die Diskussion zumindest ist der Stärke wohl kaum aufgekommen.

Immerhin ist das Internet nicht das erste Medium, dessen Einführung der Staat zur besseren Kontrolle nutzen möchte. Vor unserer Zeit wurde bereits das Postsystem eingeführt, dessen Errichtung mit dem polizeilichen Meldewesen einherging. Denn irgendwie musste der Postbote den Empfänger der Sendung klar ausfindig machen können. Jedoch: durch diese gemeinsame Einführung haben die Bürger die Registrierung zur Nutzung des neuen Kommunikationssystems gerne in Kauf genommen… anders als es jetzt mit der verspäteten Einführung der Kontrollmethoden in der digitalen Welt läuft.

Hartmut Winkler beschreibt dies in “Übertragen – Post, Transport, Metapher” (In: Fohnnann, Jürgen (Hrsg.): Rhetorik. Figuration und Performanz. Stuttgart/Weimar 2004, S. 283-294.) auf Seite 285 so:

Um für den Postboten erreichbar zu sein, müssen die Subjekte über eine Adresse verfügen; das Postsystem fixiert die Subjekte an bestimmten Orten und macht sie auffindbar, was Siegert mit den Disziplinierungs- und Anti-Vagabondagestrategien, die Foucault untersucht hat, in Verbindung bringt. Die Entwicklung des Postsystems geht mit derjenigen des polizeilichen Meldewesens Hand in Hand, wobei die Besonderheit wäre, daß das Postsystem nicht mit repressiven Mitteln durchgesetzt werden muß, weil es auf die Kommunikationsbedürfnisse der Betroffenen selbst sich stützen kann.

[Der Text ist unter http://wwwcs.uni-paderborn.de/~winkler/ als PDF-Download verfügbar]

“Dennoch”, so schreibt Winkler weiter, “war der Eingriff als Eingriff spürbar.” Nur während ich mich heute frage, wie der Bundestrojaner ohne gezielte Sicherheitslücken in den Systemen überhaupt effektiv funktionieren soll, hatte man damals andere (aber doch irgendwie ähnliche) Sorgen:

Vom Marquis von Londondeny erhielt der Postmaster-General [...] die indignierte Anfrage zurück, ob der PGM tatsächlich erwarte, daß er, der Marquis, einen Schlitz in seine Mahagony-Tür säge.

[In: Siegert, Bernhard: Relais. Geschicke der Literatur als Epoche der Post. Berlin, 1993. S. 125f; zitiert nach Winkler, Hartmut: Übertragen - Post, Transport, Metapher (s.o.) S. 285, Auslassung durch Winkler]

Wenn man sowas liest, scheint vieles schon mal dagewesen zu sein…

Hinweis: Dies ist ein Artikel aus meiner Reihe Wendungen und Wiederholungen der Geschichte.

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