Memoiren über einen genialen Brotkasten
02.02.2009 von André BräklingEin sanftes, blaues Leuchten erfüllte damals mein Kinderzimmer den Raum, als sich mein Vater mit den Worten “Der kann übrigens noch mehr als Spiele…” über den klobigen Plastikkasten vor mir beugte. Gebannt starrte ich auf die hellblauen Zeichen, die mein Vater über den Brotkasten an den Fernseher schickte.
10 PRINT "HALLO" 20 GOTO 10 RUN
Es geschah unglaubliches – meine 8-Bit-Spielekiste wiederholte das von meinem Vater vorgegebene HALLO immer und immer wieder. Diese simple Erfahrung war es, die meinen späteren Werdegang prägen sollte.
Zunächst war ich damit zufrieden, immer ausgefallenere und längere Textfolgen über den Bildschirm wandern zu lassen. Doch dann musste das Handbuch zur Kiste her, das ich zuvor zum Laden meiner Spiele nie benötigt habe. Im Gegensatz zu heutigen Rechnern hat der gute, alte C64 out-of-the-box ein vollständiges BASIC mitgeliefert. Direkt nach dem Einschalten des PC konnte man in dem, was man heute Konsole nennt, loshacken.
Mit steigender Erfahrung waren auf dem 8-Bit-System mit einem knapp 1 MHz starken Prozessor und 64 KByte Arbeitsspeicher unglaubliche Dinge möglich. Schnell ein Sprite in Form eines Rennwagens zusammengebastelt und schon wurde es eine abenteuerliche Rennstrecke aus ASCII-Zeichen heruntergejagt. Natürlich mit Kollisionsabfrage.
Doch auch die bereits erwähnten Spiele konnten sich wirklich sehen lassen. Marios ungeliebte Schwestern, die Great Giana Sisters sind ebenso unvergessen, wie Bubble Bobble, Archon, die einzelnen Olympia-Varianten Summer Games, Winter Games und die Caveman Ugh-lympics. Auch International Soccer darf in der Reihe nicht fehlen… ebenso wie viele andere. Ich könnte ewig weitermachen.
Aber es gab natürlich auch ernsthafte Anwendungen. Dank des enorm lauten Nadeldruckers war die Textverarbeitung Vizawrite eine echte Hilfe beim Schreiben von Briefen. Wer will da an eine Schreibmaschine? Außerdem ermöglichte es der Print Master alle wichtigen Grafiken von Glückwunschkarten bis hin zu Bannern (kein Problem, da Endlospapier im Nadeldrucker) zu gestalten.
Immerhin bin ich nicht der einzige, der beim Thema 64er in’s Schwärmen kommt. Die bisherigen Links gingen (abgesehen vom Handbuchlink) zum liebevoll gemachten C64 Wiki – aber es gibt noch mehr Material für Nostalgiker:
Zum 25. Geburtstag des erfolgreichen Homecomputers aus dem Hause Commodore veröffentlichte Chip im vergangenen Jahr den Test aus der Chip-Ausgabe 06/83: Ein ganz starker Typ.
Auch die Wikipedia widmet dem C64 einen ausführlichen Artikel mit einigen Anekdoten und vielen technischen Details: Commodore 64.
Im 8-Bit-Nirvana finden sich neben einem ausführlichen Text zum Brotkasten auch ein paar Scans von Prospekten.
Eine Bildersammlung der gesamten C64-Familie gibt es im Homecomputermuseum – inkl. einem Bild der eigenwilligen ALDI-Variante und einem Blockschaltbild.
Falls jetzt jemand auch auf den Geschmack gekommen ist – Emulatoren gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Jüngere Zeitgenossen werden wohl ein wenig Geduld und guten Willen mitbringen müssen… aber glaubt mir, es lohnt sich
Bild: Commodore 64 von Bill Bertram via Wikipedia.
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