CoScribe: Notizen digitalisieren und tauschen
von André Bräkling
Obwohl Notebooks mittlerweile zur Grundausstattung vieler Studenten gehören, bevorzugen die meisten nach wie vor handschriftliche Notizen während der Vorlesungen. Gründe hierfür sind die leichte Transportierbarkeit von Stift und Papier, die schnelle “Anwendung” und natürlich auch die Flexibilität. Doch gleichzeitig sind damit viele Nachteile verbunden, da die Notizen meist wieder aufwendig aufbereitet werden müssen, und da auch der Austausch der Mitschriften mit Kommilitonen erschwert ist (Einscannen, Einzelseiten, Blättern, …). Abhilfe soll hier eine Entwicklung von Wissenschaftlern der TU Darmstadt namens CoScribe schaffen, da sie die Vorteile der Stift-Papier-Lösung mit den Möglichkeiten digitaler Datenerfassung kombiniert.
Man benötigt lediglich speziell präparierte Ausdrucke, z.B. enstprechend vorbereitete Folien, und einen elektronischen Stift. Eine Unterlage, zusätzliche Sensoren oder gleich ein ganzes Touch-Screen-Device entfallen völlig, denn beim Drucken der Folien (um hier einfach bei diesem Beispiel zu bleiben) werden kleine, dem Auge kaum auffallende Punkte als Markierungen mit auf das Papier gebracht, die dem Stift die Orientierung ermöglich. So wird erfasst, auf welcher Position auf welchem Blatt gerade geschrieben wird. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten:
Digitalisierung
Um die eigenen Notizen auf den Rechner zu bringen, muss nun nicht mehr das Blatt selbst eingescannt werden. Es reicht aus, den Stift mit dem Rechner zu synchronisieren. Dadurch erhält man auch nicht nur eine Einzelgrafik, sondern eine klare Trennung von ursprünglichen Folien und Notizen.
Linking
Bei reinen Papiernotizen beginnt schnell das große Blättern. Dank CoScribe kann dies endlich der Vergangenheit angehören. Beispielsweise kann man einfach von einem Begriff aus mit einer Stiftgeste einen Link auf ein anderes Blatt ziehen, was dann von der Software entsprechend als Hyperlink in das Dokument integriert wird. Auch weitere Linkformen, z.B. auf Webseiten sind so denkbar. Klebt man ein präpariertes, also für den Stift erkennbares, Post-It auf ein Buch, so kann man einfach eine Notiz per Stift markieren und mit einem Tipper auf das Buch dorthin verlinken.
Tagging
Auf das Blatt gedruckte Symbole ermöglichen es, durch kurzes Antippen die Notizen mit Tags zu versehen. Man kann so Wichtiges auch für die Software erkennbar als “wichtig” markieren oder offene Fragen hervorheben. Natürlich kann man auch hier mit Post-Its arbeiten und so z.B. auch direkt beim Schreiben einen Index erstellen. Tagging via Post-It ist zwar ein wenig aufwendiger, dafür hat man als Nutzer ein optisches Feedback, was bei den Papierbuttons natürlich ausbleibt. Zumal dadurch ein Post-It-Index nicht nur beim Arbeiten mit der Software, sondern ebenso beim “klassischen” Durchschauen des Materials hilfreich ist.
Sharing
Eine weitere Besonderheit sind die Möglichkeiten des gemeinsamen Arbeitens. Durch die bereits erwähnten Buttons oder andere Tagging-Methoden kann eine Notiz als privat (nur für den Schreiber), für die Lerngruppe oder als public (für alle Vorlesungsteilnehmer) gekennzeichnet werden. Synchronisiert man die Aufzeichnungen mit dem PC, so können diese auch direkt an ein zentrales Lernsystem übertragen werden, sofern sie nicht als privat gekennzeichnet wurden.
Sieht man seine eigenen Notizen am PC durch, kann man nun die freigegebenen Mitschriften der Kommilitonen sehen. Um die Übersicht zu wahren, werden sie aber lediglich als kleine Symbole dargestellt (z.B. ein Fragezeichen für Fragen oder ein Ausrufezeichen für wichtige Hinweise), die erst nach einem Klick den vollständige Notiz offenbaren.
Fazit
CoScribe bestreitet den Weg zurück vom meist nur wenig effektiv genutztem Notebook zum Papier und ergänzt diese Form der Vorlesungsmitschrift um die Möglichkeiten der digitalen Welt. Dadurch das es sehr simpel zu verwenden ist und zudem neue Wege der Zusammenarbeit eröffnet, kann dieses System tatsächlich zur Revolutionierung der klassischen Vorlesungsmitschrift führen. Hinzu kommt, dass ein Einsatz natürlich nicht nur an der Hochschule, sondern z.B. auch bei Unternehmensschulungen und Meetings in Frage käme.
Ich selbst ärgere mich, dass ich von CoScribe erfahren habe… denn jetzt vermisse ich es bei der Vorbereitung auf meine Abschlussprüfungen und – arbeit
Daran vorbei komme ich aber nicht, da ich das Thema gemeinsam mit einem Kommilitonen für das Seminar Post-Desktop User Interfaces aufarbeiten muss. So könnt aber auch ihr noch auf ein paar Neuigkeiten hoffen!
Ein paar optische Eindrücke von der CoScribe-Nutzung findet ihr in der Flickr-Galerie zum Projekt:
Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte, findet hinter dem folgenden Link eine Aufstellung von teilweise frei als PDF verfügbaren Dokumenten (engl.): CoScribe Publikationen an der TU Darmstadt
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