Piwik – Lokale Analytics-Alternative
01.06.2009 von André Bräkling
In meinem letzten WP-Plugin-Artikel erwähnte ich, dass die Nutzung von Akismet problematisch sein könnte, da die Daten der Kommentatoren mit jedem Kommentar zur Überprüfung in die USA übermittelt werden. Ähnlich sieht es mit Google Analytics aus, werden hier doch die Daten jedes Besuchers ins Obamaland geschickt. Ich kann als Nicht-Jurist nun nicht einschätzen, ob es hier wirklich ein Problem gibt. Auch möchte ich nicht grundsätzlich von den genannten Diensten abraten, zudem sind noch viele weitere Angebote (z.B. Google Adsense) betroffen. Stattdessen möchte ich an dieser Stelle eine Alternative vorstellen, die sich leicht auf dem eigenen Webserver installieren lässt und so das Problem umgeht.
Installation
Piwik nennt sich das Webanalyse-Programm, dass als Open Source frei unter der GPL verfügbar ist. Die Installation geht leicht von der Hand. Nachdem das Archiv auf dem Server entpackt wurde, führt ein Webdialog bequem durch die Konfiguration und informiert auch über eventuell zu setzende Verzeichnisrechte. Zur Benutzung von Piwik benötigt man PHP ab Version 5.1.3 mit PDO (MySQL) und MySQL ab Version 4.1. Nun kann man Accounts erstellen und Webseiten eintragen. Zur Datenmessung muss, vergleichbar zum Google-Dienst, ein JavaScript in die einzelnen Unterseiten der Webseiten eingebunden werden.
Genauigkeit der Zahlen
Zunächst habe ich Piwik eine zeitlang parallel zu Analytics laufen lassen, um die gemessenen Besucherzahlen zu vergleichen. Dabei ist aufgefallen, dass die Piwik-Werte leicht höher liegen. Eine Ursache dafür kann man lediglich mutmaßen, beispielsweise könnte Analytics mehr Bots erkennen und nicht mitzählen. Aber vielleicht entsteht die Differnz auch überwiegend durch Nutzer, die Analytics per AdBlock oder ähnlichen Plugins grundsätzlich aussperren. Immerhin kann man sagen, dass die freie Lösung nicht wahllos jeden Hit erfasst, sprich dass sie durchaus brauchbare Zahlen liefert.
Erfasste Daten
Was die erfassten Daten angeht, kann Piwik durchaus mit Analytics mithalten. Neben den Besucherzahlen werden auch die Nutzerkonfigurationen, Herkunft, verweisende Websites, Suchmaschinen, Keywords, Aufenthaltszeiten und vieles mehr erfasst. Auch eine Erkennung wiederkehrender Besucher wurde berücksichtigt.
Bedienung
In Sachen Bedienung fühlt sich Piwik noch recht unrund an. Die Startseite kann via Widgets frei gestaltet werden, lässt aber noch einige Wünsche offen. So versuche ich seit geraumer Zeit verzweifelt ohne Programmieraufwand eine Anzeige der Daten der letzten 30 Tage mit einem tageweisen Verlaufsgraph anzuzeigen. Halt vergleichbar zur Analytics-Startseite. Über Tipps würde ich mich sehr freuen! Da es sich aber derzeit erst um die Version 0.2.37 handelt, habe ich hier noch große Hoffnung auf Besserung.
Modularität
Piwik kann problemlos mit Plugins erweitert werden. Zudem bietet die Software Widgets zur Gestaltung des eigenen Dashboards und zur Einbindung auf anderen Webseiten. Abgerundet wird das Angebot durch eine umfangreiche API. Wer ein wenig Programmieraufwand nicht scheut, kann also notfalls Bedienungsunzlänglichkeiten über eigene Entwicklungen ausgleichen… oder natürlich das System erweitern. Die Community hinter dem Projekt freut sich über jede Hilfe, auch die deutsche Übersetzung kann noch etwas Feinschliff vertragen.
Fazit
Es ist klar zu erkennen, dass sich Piwik noch in einem recht frühen Entwicklungsstadium befindet. Nichtsdestotrotz handelt es sich bereits um eine ernstzunehmende Lösung zur Webanalyse, die auf dem eigenen Server betrieben werden kann. Wer etwas eigenen Aufwand nicht scheut, sollte sich das Projekt auf jeden Fall einmal anschauen. Allen anderen rate ich zunächst zu einem Blick auf die Online Demo.
Wichtige Links
Weitere Artikel zum Thema:
