Piwik – Lokale Analytics-Alternative

01.06.2009 von André Bräkling

Piwik 0.2.37 Screenshot

In meinem letzten WP-Plugin-Artikel erwähnte ich, dass die Nutzung von Akismet problematisch sein könnte, da die Daten der Kommentatoren mit jedem Kommentar zur Überprüfung in die USA übermittelt werden. Ähnlich sieht es mit Google Analytics aus, werden hier doch die Daten jedes Besuchers ins Obamaland geschickt. Ich kann als Nicht-Jurist nun nicht einschätzen, ob es hier wirklich ein Problem gibt. Auch möchte ich nicht grundsätzlich von den genannten Diensten abraten, zudem sind noch viele weitere Angebote (z.B. Google Adsense) betroffen. Stattdessen möchte ich an dieser Stelle eine Alternative vorstellen, die sich leicht auf dem eigenen Webserver installieren lässt und so das Problem umgeht.

Installation

Piwik nennt sich das Webanalyse-Programm, dass als Open Source frei unter der GPL verfügbar ist. Die Installation geht leicht von der Hand. Nachdem das Archiv auf dem Server entpackt wurde, führt ein Webdialog bequem durch die Konfiguration und informiert auch über eventuell zu setzende Verzeichnisrechte. Zur Benutzung von Piwik benötigt man PHP ab Version 5.1.3 mit PDO (MySQL) und MySQL ab Version 4.1. Nun kann man Accounts erstellen und Webseiten eintragen. Zur Datenmessung muss, vergleichbar zum Google-Dienst, ein JavaScript in die einzelnen Unterseiten der Webseiten eingebunden werden.

Genauigkeit der Zahlen

Zunächst habe ich Piwik eine zeitlang parallel zu Analytics laufen lassen, um die gemessenen Besucherzahlen zu vergleichen. Dabei ist aufgefallen, dass die Piwik-Werte leicht höher liegen. Eine Ursache dafür kann man lediglich mutmaßen, beispielsweise könnte Analytics mehr Bots erkennen und nicht mitzählen. Aber vielleicht entsteht die Differnz auch überwiegend durch Nutzer, die Analytics per AdBlock oder ähnlichen Plugins grundsätzlich aussperren. Immerhin kann man sagen, dass die freie Lösung nicht wahllos jeden Hit erfasst, sprich dass sie durchaus brauchbare Zahlen liefert.

Erfasste Daten

Was die erfassten Daten angeht, kann Piwik durchaus mit Analytics mithalten. Neben den Besucherzahlen werden auch die Nutzerkonfigurationen, Herkunft, verweisende Websites, Suchmaschinen, Keywords, Aufenthaltszeiten und vieles mehr erfasst. Auch eine Erkennung wiederkehrender Besucher wurde berücksichtigt.

Bedienung

In Sachen Bedienung fühlt sich Piwik noch recht unrund an. Die Startseite kann via Widgets frei gestaltet werden, lässt aber noch einige Wünsche offen. So versuche ich seit geraumer Zeit verzweifelt ohne Programmieraufwand eine Anzeige der Daten der letzten 30 Tage mit einem tageweisen Verlaufsgraph anzuzeigen. Halt vergleichbar zur Analytics-Startseite. Über Tipps würde ich mich sehr freuen! Da es sich aber derzeit erst um die Version 0.2.37 handelt, habe ich hier noch große Hoffnung auf Besserung.

Modularität

Piwik kann problemlos mit Plugins erweitert werden. Zudem bietet die Software Widgets zur Gestaltung des eigenen Dashboards und zur Einbindung auf anderen Webseiten. Abgerundet wird das Angebot durch eine umfangreiche API. Wer ein wenig Programmieraufwand nicht scheut, kann also notfalls Bedienungsunzlänglichkeiten über eigene Entwicklungen ausgleichen… oder natürlich das System erweitern. Die Community hinter dem Projekt freut sich über jede Hilfe, auch die deutsche Übersetzung kann noch etwas Feinschliff vertragen.

Fazit

Es ist klar zu erkennen, dass sich Piwik noch in einem recht frühen Entwicklungsstadium befindet. Nichtsdestotrotz handelt es sich bereits um eine ernstzunehmende Lösung zur Webanalyse, die auf dem eigenen Server betrieben werden kann. Wer etwas eigenen Aufwand nicht scheut, sollte sich das Projekt auf jeden Fall einmal anschauen. Allen anderen rate ich zunächst zu einem Blick auf die Online Demo.

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Kommentare & Trackbacks

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Frager

Muß bei Analytiks nicht nur ein einziges Mal das Javaskript auf der Webseite eingefügt werden anstatt auf allen Unterseiten, wie es oben heißt?

Ich selbst befasse mich neu mit der Materie, bisher habe ich das extern von einem Techniker machen lassen. Hier war aber nie die Rede davon, daß man das auf jeder einzelnen Unterseite einfügen muß. Das wäre ja auch eine höllische Arbeit, selbst, wenn jemand nur 10 oder 20 Webseiten hat?

(Zitata: “Zur Datenmessung muss, vergleichbar zum Google-Dienst, ein JavaScript in die einzelnen Unterseiten der Webseiten eingebunden werden.”)

André Bräkling [www]

Ja, für eine zuverlässige Messung muss das JavaScript wirklich auf jeder Unterseite eingebunden sein. Würde man das Script beispielsweise nur auf der Startseite unterbringen, könnten Besucher, die z.B. über eine Suchmaschine oder einen externen Link auf einer Unterseite landen, nur erfasst werden, wenn diese auch zuverlässig mindestens einmal auf die Startseite wechseln.

Aber selbst dabei wären viele wichtige Daten verloren, z.B. woher und/oder mit welchen Suchbegriffen der Besucher auf der Seite gelandet ist. Ebenso wären natürlich keine Statistiken über die Unterseiten verfügbar, also z.B. wofür die Besucher sich innerhalb des Angebots interessieren.

Viel Arbeit ist dies lediglich, wenn man eine statische Webseite betreibt. Dann müsste man den Code tatsächlich auf jeder Unterseite manuell einfügen. Nutzt man ein Content Management System (z.B. auch eine Blogsoftware wie WordPress), dann kann man den Code aber vollautomatisch in jede Unterseite einfügen lassen. Oder man setzt seine Seite bspw. selbst per PHP aus einzelnen Bausteinen (z.B. Header, Navigation, Content und Footer) zusammen, wobei der Code dann nur einmal im Footer eingebunden und so auf jeder Einzelseite mit angezeigt wird.


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